In Balance bleiben
DEMO
Kontakt

In Balance bleiben

Technology

In Balance bleiben

April 11, 2016 Sascha Grosskopf

Die klassische Stechuhr-Mentalität hat vielerorts längst ausgedient. Statt „Nine-to-Five“ findet Arbeit heute immer mehr zeit- und ortsunabhängig statt. Und so sind wir für Kunden auch am Wochenende erreichbar, berufliche E-Mails werden in der Freizeit gecheckt, im Gegenzug wird im Büro mal eben der nächste Urlaub gebucht oder sich mit den Handwerkern zuhause abgestimmt. Wir haben Freunde auf LinkedIn und Kollegen auf Facebook, und die gleiche Telefonnummer für berufliche wie private Kontakte. Und damit wir uns in der Arbeit auch wirklich heimisch fühlen, sorgen neuerdings sogenannte Feelgood-Manager für die nötige Wohlfühlatmosphäre im Büro.

In Zeiten der Digitalisierung verschwimmen die Grenzen zwischen Job und Freizeit. Aus „Work-Life-Balance“ wird „Work-Life-Blending“, berufliche und private Belange vermischen sich zusehends. Laut einer Studie der Technischen Universität Darmstadt ist diese Form der Arbeitsorganisation bei 74 Prozent der Befragten bereits gelebte Realität. Kein Wunder also, dass dieses „Gleichgewicht“ immer wichtiger bei der Wahl des Arbeitgebers wird – dies zeigte bereits eine Umfrage von LinkedIn aus dem Jahr 2014.                                 

Vor allem der Aufstieg mobiler Technologien wie Smartphone, Tablet oder Laptop  führt dazu, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben immer durchlässiger werden. Bleibt die Frage, wie diese Entwicklung zu bewerten ist. Lässt sich Arbeit so wirklich besser an den Bedürfnissen des Einzelnen ausrichten oder laufen wir Gefahr, uns in Richtung einer Gesellschaft voller Workaholics zu entwickeln, in der Arbeitnehmer selbst am Strand liegend mit der Pina Colada in der Hand noch an einem Conference-Call teilnehmen? 

Sicher kann die ständige Erreichbarkeit eine hohe Arbeitsbelastung und Stress nach sich ziehen. Vor allem bei Menschen, die Arbeit priorisieren. Technologien wirken hier wie ein Katalysator: Der Beruf hält zwar Einzug ins Privatleben, umgekehrt wird aber kein Ausgleich geschaffen, indem beispielsweise die Mittagspause verlängert oder der Frisörbesuch in die Arbeitszeit gelegt wird. Gleichzeitig bringen mobile Technologien enorme Vorteile für Unternehmen und die Flexibilität der Mitarbeiter. Home Office-Regelungen, Vertrauensarbeitszeit, oder die Möglichkeit flexibel Urlaub zu nehmen, bringen Zeitersparnis, steigern die Produktivität und die Motivation von Arbeitnehmern.

Auf der einen Seite steigt der Gestaltungsspielraum, auf der anderen Seite natürlich auch Druck und Erwartungen. Vor diesem Hintergrund ist die digitale Mobilität nicht per se gut oder schlecht. Letztlich sind (mobile) Technologien nur Werkzeuge, deren Mehrwert sich am jeweiligen Umgang mit ihnen misst. Sicherlich ist es an dieser Stelle zu kurz gegriffen, jeden sich selbst zu überlassen. Frei nach dem Motto: Wenn du vom Typ her eher dazu tendierst Maß zu halten, wunderbar, wenn nicht, Pech gehabt! Vielmehr sind Arbeitgeber und Personalverantwortliche hier gefragt.

Das A und O ist auch Transparenz – vor allem in Bezug auf Erwartungen hinsichtlich der Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit. Wie die Studie der TU Darmstadt zeigt, sind mangelnde Absprachen zwischen Führungskraft und Mitarbeiter zu diesen Punkt der Grund für zahlreiche Missverständnisse. Vor diesem Hintergrund brauchen HR und Führungskräfte ein hohes Maß an Offenheit und Flexibilität sowie ein grundlegendes Verständnis dafür, wie invasiv neue Technologien auf ihre Mitarbeiter einwirken können. Um dieses Verständnis zu fördern, helfen beispielsweise interne Verhaltenskodizes oder Schulungen, die Manager dahingehend zu sensibilisieren. Eine weitere Möglichkeit ist, klare Prinzipien wie „keine Mails nach 21 Uhr“ zu kommunizieren. 

Nur durch ein klares Erwartungsmanagement lässt sich vermeiden, dass bei der Verschmelzung dieser beiden Sphären das private Leben den Kürzeren zieht. Denn die Tatsache, dass man ständig erreicht werden kann, ist lediglich eine Handlungsoption und bedeutet nicht, dass man auch ständig erreichbar sein muss.  

Comments

Keinen Artikel mehr verpassen?

Our RSS Feeds

Cornerstone Blog Feed

Lernen Sie, wie unser integriertes Talent Management Sie bei Ihren Herausforderungen unterstützt.
Erfahren Sie mehr über unsere Produkte

Archiv