Das Ding mit der künstlichen Intelligenz
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Das Ding mit der künstlichen Intelligenz

Future of Work

Das Ding mit der künstlichen Intelligenz

June 19, 2017 Sascha Grosskopf

Seit den 70er Jahren wurden immer mehr Jobs durch Maschinen übernommen. In Zukunft könnten mit der digitalen Revolution aber auch humanoide Roboter und Computer die Arbeit in ganzen Branchen übernehmen. Wie geht es dann mit den Menschen aus diesen Berufsfeldern weiter? Die Entwicklung scheint unaufhaltsam – und wie kann die HR darauf reagieren?

Japan ist das Heimatland der Roboter. Da scheint es auch nur folgerichtig, dass das Land momentan die ersten Erfahrungen damit macht, dass einzelne Mitarbeiter und ganze Abteilungen durch KI (Künstliche Intelligenz) ersetzt werden. So geschehen beim japanischen Versicherungskonzern Fukoku, wo 30 Mitarbeiter aus dem Unternehmen entlassen wurden. Eine kognitive Technologie soll hier medizinische Berichte von Ärzten und andere Dokumente lesen, aus denen Informationen hervorgehen, anhand der sich die Auszahlung an Kunden berechnen lassen.

Ein Einzelfall ist Fukoku damit indes nicht. Auch andere japanische Versicherer wie Dai-Ichi Life Insurance oder Nippon Life Insurance setzen offenbar bereits solche Programme ein. Doch auch in Deutschland will man in Zukunft mehr auf KI setzen. Anders als bei betrieblichen Maschinen, die im Laufe der 70er Jahre traditionelle Knochenjobs wie die Fließbandarbeit in einer Fabrik überflüssig machten, könnte die KI aber auch Jobs besetzen, die nach kreativen und abstrakten Denkprozessen verlangen. Bestes Beispiel ist der strauchelnde Konzern Volkswagen. Um nach dem Dieselgate-Skandal weiter Kosten zu sparen, sollen in Zukunft Mitarbeiter durch Roboter ersetzt werden. Genauere Angaben hat das Unternehmen bisher noch nicht gemacht.

Vorgänge wie diese haben weniger mit der Mechanisierung der Arbeit als vielmehr mit der Automatisierung der Prozesse zu tun: Die Vernetzung schreitet voran, die Abläufe werden optimiert, Fertigungskosten gesenkt. Doch ist dies ein Grund, die alte Angst vor den Maschinen wieder neu aufflammen zu lassen? Oder bieten sich durch diesen Wandel womöglich auch Chancen?

Die digitale Revolution bringt Gewinner und Verlierer hervor

Natürlich bringt jede Form des Wandels auch immer Verlierer hervor. Hätte es schon im 13. Jahrhundert eine demokratische und öffentliche Debatte wie heute gegeben, wäre vielleicht niemals Amerika entdeckt worden. Die Kirche hätte jeglichen Pioniergeist im Keim erstickt, weil die Theorie, dass die Erde rund sei, die biblische Auslegung wiederlegte, dass Jerusalem der Mittelpunkt jener Scheibe sei. Die Gesandten der Republik von Venedig oder des Osmanisches Reiches hätten sich zugleich gegen jegliche Verlagerung der Handelswege in den Atlantik gewehrt und ähnlich wie die heutigen Lobby- und Industrieverbände vor dem Verlust von Arbeitsplätzen im Mittelmeerraum gewarnt. Eine gewisse Skepsis gegenüber neuen Technologien, Ideen und Entwicklungen ist daher ganz natürlich.

Dabei könnte die Roboterisierung dazu beitragen, Deutschlands Nachteil als Hochlohnstandort zu lindern. Zudem bedeutet die Installation von KI nicht automatisch, dass Menschen in Konkurrenz zu Maschinen treten. Ausnahmsweise kommt Deutschland hier nämlich der demographische Wandel zur Hilfe, denn wenn die Babyboomer bald alle in Rente gehen, werden sich die Betriebe ohnehin entschlacken und mit weniger Personal auskommen müssen. Zum anderen könnte die nicht ergonomische Arbeit abgeschafft, qualifizierte Arbeit verstärkt und bestehende Beschäftigung durch bessere Wettbewerbsvorteile gesichert werden.

Natürlich wird die digitale Revolution aber auch Arbeitsplätze kosten, die nicht aufgefangen werden können. Immerhin gibt eine Studie des Wirtschaftsforums in Davos an, dass der technologische Wandel rund 2,1 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen wird (nahezu ausschließlich für IT-Tüftler und Computerexperten) – im Gegenzug werden aber 7,1 Millionen Arbeitsplätze verschwinden. Was, wenn sich auf diese Weise die dystopischen Szenarien in 30 Jahren bewahrheiten und am Ende so viele Menschen ohne Job dastehen, dass die Sozialkassen vor der Implosion stehen? Politik und Elite philosophieren daher bereits über neue Modalitäten der Einkommensverteilung, wie dem bedingungslosen Grundeinkommen.

HR muss umdenken, wenn sie nicht ersetzt werden will

Aber auch Unternehmen können sich auf diesen Wandel einstellen. Dazu zählt, eine transparente Kommunikation zwischen der IT und den HR- und LOB-Managern aufzubauen. Vor allem muss das Personalmanagement endlich als strategischer Partner anerkannt werden, statt es weiterhin als Verwalter administrativer Aufgaben abzukanzeln. Das Whitepaper der IDC-Studie von Cornerstone zeigte bereits, dass die IT noch zu wenig zur digitalen Transformation beigetragen hat, weil die KPIs nicht stringent genug an den angestrebten Zielen ausgerichtet sind. Dadurch beschränkt sich die IT-Entwicklung dann auch nur auf ihre eigene Umwelt statt zusammen mit dem Personalmanagement eine ganzheitliche Lösung ins Auge zu fassen.

Auch die HR muss ihre Einstellung zum Thema Digitalisierung ändern. Nur wenige Personaler haben überhaupt eine digitale Teilstrategie erarbeitet, welche konkrete Ziele und Projekte umreißt. Ein Grund dafür liegt in der falschen Selbstwahrnehmung, welchen Beitrag das Personalmanagement für das Unternehmen in dieser Thematik beisteuern sollte. HR-Verantwortliche schätzen ihre Aufgaben deshalb ganz anders ein, als es die IT tut. So halten die Personalentscheider z.B. kontinuierliches Lernen oder optimierte Rekrutierungsprozesse für entsprechende Themen, deren Bedeutung durch die Digitalisierung am meisten zunehmen wird. Dagegen kommt es nach Meinung der IT mit Hinblick auf das Personalwesen wesentlich mehr auf die Entwicklung von Change Management und die Einführung von Kollaborationsplattformen für virtuelle Führung an.

Strategien dieser Art könnten dazu führen, dass die technologischen Automatisierungsprozesse gemeinsam wachsen und natürlich die Arbeitswelt des Menschen ändern, aber sie nicht abschaffen werden. Wenn HR und IT zueinander finden, tun das vielleicht irgendwann auch Mensch und Maschine.

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