Das unheilige Fußballreich deutscher Nation: Der Beckenbauer-Effekt im Leadership
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Das unheilige Fußballreich deutscher Nation: Der Beckenbauer-Effekt im Leadership

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Das unheilige Fußballreich deutscher Nation: Der Beckenbauer-Effekt im Leadership

September 19, 2016 Sascha Grosskopf

Dass die FIFA von Korruption mehr durchtränkt ist als eine Regierung in Lateinamerika, war vor ein paar Jahren nicht mal ein offenes Geheimnis, sondern schon vor den Enthüllungen fester Bestandteil des Volkswissens. Nun werden die Skandale jedoch auch auf den DFB gemünzt und mit ihm dessen prestigeträchtigste Symbolfigur: Franz Beckenbauer.

Eine Untersuchungskommission fand nun heraus, dass nicht nur die WM in Deutschland 2006 mit hoher Wahrscheinlichkeit erkauft wurde, sondern auch der Fußballkaiser Franz Beckenbauer über dubiose Umwege Millionengehälter für seinen Einsatz als Sponsor für das Turnier kassiert hatte – obwohl er immer wieder betont hatte, dass er ehrenamtlich für die WM im eigenen Land gearbeitet hätte. Es kommen noch viele weitere undurchsichtige Geschichten hinzu, aber Fakt ist, dass der Kaiser gestürzt wurde. Beckenbauer hat damit nicht nur Fußballfans bitter enttäuscht, sondern auch viele Bundesbürger weit außerhalb des Sports. Denn der Kaiser war nicht nur eine Ikone des runden Leders, sondern eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Bundesrepublik und bis heute einer der berühmtesten lebenden Deutschen weltweit.

Vollgepumpt mit Geld und Gier

Häufig leiden viele Menschen darunter, wenn ihr oberster Repräsentant sich etwas zu Schulden hat kommen lassen. Wenn ein Manager eines Unternehmens oder einer Organisation sich illoyal gegenüber seinen Mitarbeitern verhält oder sich der Korruption schuldig gemacht hat, dann hat dies immer eine Art Beckenbauer-Effekt zur Folge. Denn die Thematik um eine neue Form des Leadership ist nicht erst durch die Skandale in der FIFA oder bei VW entstanden, sondern geht fast zeitgleich mit dem digitalen Wandel einher: Leadership 4.0. Und das meint flachere Hierarchien und eine größere Durchlässigkeit der Grenzen zwischen den Hierarchieebenen. Der Wegfall von Krawatten wie auch das Vorrecht des Vorstandes, mit dem Fahrstuhl direkt in die Chefetage hinaufzuschießen, sind sogar schon in größeren Konzernen wie Daimler der Fall.

Der Boss als Buddy?

Doch bleibt es nur bei netten Gesten und reiner Schaufensterpolitik? Schnell sind nämlich immer Neuausrichtungen dieser Art beschworen, doch selten werden dabei alte Denkmuster und überlieferte Normen aus der Arbeitswelt auch wirklich durchbrochen. Dies zeigt sich stellvertretend nirgendwo besser als bei Franz Beckenbauer, da der Glaube an das saubere Management im Sport mit ihm nun endgültig gebrochen scheint. Manager sind somit mehr als nur die Lenker eines Unternehmens, sie sind auch Visitenkarte und Aushängeschild zugleich. Wenn sie fallen, stürzt auch das Unternehmen. Es kann sich zwar wieder aufrappeln, aber blutige Knie sind sicher, mit viel Pech sogar ein Knochenbruch. Wie viel stärker muss der Effekt aber sein, wenn die Chefs der Zukunft einen auf Kumpel machen und dann durch zwielichtige Machenschaften nicht nur für einen Finanz- und Imageschaden des Unternehmens sorgen, sondern im Grunde auch ihr Team verraten haben?

Leadership 4.0 als Teil der Compliance

Im Zeichen von großen Korruptionsskandalen sollten Manager daher nicht nur kosmetische Korrekturen an der Führung vornehmen, sondern sich auch ihres Vorbildcharakters bewusstwerden. Je größer die Verantwortung, desto größer die Verbindlichkeiten. Diese neue Form der Unternehmensführung wurde jedoch bisher nur selten in einen Code of Conduct eingearbeitet. Dabei sollten die zukünftigen Entwicklungen wie Leadership, Compliance oder Digitalisierung keine separaten Prozesse durchlaufen, sondern gemeinsam und ganzheitlich miteinander wachsen und im besten Fall am Ende sogar verschmelzen. Die Herausforderungen der Zukunft werden nämlich vor allem den Personalmanagern viel abverlangen. Zur Entfaltung eines neuen Bewusstseins für ihre Führungsrolle ist es daher essentiell, dass Ehrenkodizes und Regelkonformitäten auch über die formalen Aspekte der klassischen HR hinausgehen. Daneben sollte von den Managern wie auch von den Angestellten ein ehrliches Interesse an der eigenen Verpflichtung vorausgehen. Gegenseitiges Vertrauen sind in der Arbeitswelt das Schmiermittel im Motor des Erfolges. Denn Compliance und ihre Gebote mögen aufrichtig und gut sein, aber nur zu gut gibt es Beispiele wie eben aus der Fußballwelt, dass ein Regelvorstoß in einem durch Misstrauen und Machtsucht durchtränkten System schnell zum Kavaliersdelikt avancieren kann. In solch einer Atmosphäre können schließlich selbst illegale Handlungen in der HR übersehen bis offen toleriert werden – ähnlich wie ein prominenter Grammatikfehler: Wenn es alle machen, ist es halt kein Fehler mehr. Doch bei festem Vertrauen erkennt schließlich nicht nur die Führungskraft Fehlentwicklungen, sondern auch das Team und kann dagegen steuern. Und erst diese Balance zeugt von wahrem Können im Leadership und einem gutetablierten Talent Management. Ein erster Schritt in diese Zukunft bietet hier z.B. das Whitepaper von Cornerstone OnDemand zum Thema Compliance.

Wer aber wird nun auf den verwaisten Fußballthron steigen, da nun der Kaiser entmachtet ist? Es dürfte schwierig, sein an das Erbe eines Beckenbauers heranzukommen, da er sowohl als Spieler, Trainer und Funktionär international bedeutende Siege und Erfolge zu feiern hatte. Wer weiß, wohin vielleicht eines Tages Schicksal noch den neuen Libero Manuel Neuer verschlagen mag und ob er nach noch mehr internationalen Siegen vielleicht in einer fernen Zukunft Deutschland als Bundestrainer erneut zum WM-Titel verhelfen wird. Solange dies mit rechten Dingen zugeht, steht einem neuen Kaiser von Gottes Gnaden nichts mehr im Wege.

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