Der Jetlag-Effekt: Warum der Mittelstand in der Digitalisierung hinterherhinkt
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Der Jetlag-Effekt: Warum der Mittelstand in der Digitalisierung hinterherhinkt

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Der Jetlag-Effekt: Warum der Mittelstand in der Digitalisierung hinterherhinkt

December 21, 2017 Sascha Grosskopf

Der Fachkräftemangel trifft nicht alle Orte und Branchen gleich. Zudem lässt sich mit den neuesten digitalen Tools der vorhandene Pool an Mitarbeitern besser managen. Doch leider sind genau diese Konzepte im deutschen Mittelstand immer noch die Ausnahme und finden keine Anwendung.

Jeder, der schon mal viel herumgereist ist, kennt ihn: Den Zeitzonenkater, bekannt auch als Jetlag. Doch anders als in einem Flug über den Pazifik, wo man bereits im Airbus die Uhr auf die Zeit des Zielortes einstellt, um sich mental auf die Verschiebung vorzubereiten, funktioniert dieser Trick in der Wirtschaft leider nicht. Freilich wünschten sich viele Unternehmer, dass man die Uhren doch nochmal ins analoge Zeitalter zurückstellen könnte, um so ihren digitalen Rückstand aufzuholen. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Studie „HR 2020: Deutschlands Mittelstand und die Digitalisierung, welche von der WirtschaftsWoche und Cornerstone OnDemand durchgeführt wurde.

In der gemeinsamen Untersuchung betrachtete man den Stand der Digitalisierung der HR in 100 mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Das zentrale Ergebnis: Die HR ist in den befragten Organisationen eher eine Abteilung unter vielen, die aber bei der Digitalisierung hinter anderen Organisationszweigen hinterherhinkt. Generell gilt die Personalabteilung eher als Umsetzer der Unternehmensstrategie, denn als ihr Treiber – in 53 Prozent der Firmen hilft sie beispielsweise nur bei einzelnen Aspekten, nicht aber bei der Gesamtstrategie. Zudem wird die Arbeit häufig nicht an KPIs gemessen, sondern gilt noch immer als notwendiges, administratives Instrument. Während die Digitalisierung der Personalabteilungen also nur nachrangig gefördert wird, arbeitet die Industrie dagegen schon mit smarten Handschuhen, Augmented Reality und Robotern. Dort geht es schließlich um Effizienzsteigerung, Kostensenkung, also kurz: um eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit. Aber kann nicht auch die HR einen wichtigen Beitrag dazu leisten? Für Unternehmen gilt es, den Wert der Personalabteilungen zu erkennen und diese besser in die Gesamtunternehmung zu integrieren. Neue Module etwa in den Bereichen Onboarding oder Learning helfen dabei, bemerkenswerte Verbesserungen zu erreichen, die sich auch deskriptiv messen lassen.

Die Digitalisierung wird nicht als strategisches Projekt betrachtet

Befragt wurden für die Analyse HR-Verantwortliche bzw. Personalleiter von 100 Unternehmen aller Branchen mit mehr als 400 Mitarbeitern in Deutschland. 42 Prozent der teilnehmenden Unternehmen entstammen dem produzierenden Gewerbe, 22 dem Maschinenbau und 16 der Elektrotechnik, die verbleibenden 14 Firmen sind aus anderen Kernbranchen der deutschen Wirtschaft. Die Unternehmen erwirtschafteten 2016 einen Umsatz zwischen 10 und über 100 Millionen Euro. Sämtliche Unternehmen sind im Export aktiv.

Eigentlich könnte die Digitalisierung der Prozesse eine Möglichkeit sein, Abhilfe zu schaffen und administrative Zeitfresser zu „virtualisieren“. Das Problem: In den meisten Unternehmen hindert vor allem der Personalmangel die Transformation ins Informationszeitalter. Und auch bei den im Einsatz befindlichen digitalen Tools stellte die Erhebung fest, dass sich zwar viele dieser Ansätze und Werkzeuge im Einsatz befinden, es jedoch nur selten einheitliche Standards über alle Niederlassungen des Unternehmens hinweg zu geben scheint. Beispielsweise haben viele Firmen bis heute kein einheitliches Headcount-Planning aufziehen können. Freilich besitzen die einzelnen Geschäftsniederlassungen separate Payroll-Systeme mit einem gewissen Satz an Stammdaten – sie sind aber nicht national oder gar global übergreifend miteinander vernetzt. 43 Prozent der befragten Unternehmen planen immerhin, ihre Prozesse zu digitalisieren indem sie beispielsweise gezielte Weiterbildungsmaßnahmen für die Mitarbeiter ausarbeiten. Eine längst überfällige Maßnahme, die zum einen die Präsenz der HR im Unternehmen ausbaut und fast zwangsläufig zu Verbesserungen etwa im Bereich der Mitarbeiterschulung führen wird.

Bemerkenswerterweise wissen die Unternehmen auch längst um die Notwendigkeit und die Vorteile der Digitalisierung in der HR – es fehlt jedoch der strategische Blick auf das Thema: So bezieht sich in 45 Prozent der Unternehmen die digitale Transformation des Personalmanagements lediglich auf die Umwandlung der Prozesse und in 28 Prozent ist sie nicht mal als strategisches Projekt angelegt. Lediglich 9 Prozent haben die Digitalisierung bereits abgeschlossen, 15 Prozent stehen kurz vor dem Abschluss, aber 39 bzw. 37 Prozent haben angefangen oder befinden sich mittendrin. Die Budgets für die Maßnahmen müssen in 53 Prozent der Fälle von der HR-Abteilung selbst aufgebracht werden. Da aber zugleich nur 12 Prozent die Budgets als Hindernis nennen, scheint dies nicht der zentrale Hemmschuh zu sein. Als größte Hürde auf dem Weg zur Digitalisierung erweist sich viel eher der zuvor erwähnte Personalmangel. Diesen führen rund 38 Prozent an, rund 12 Prozent kämpfen mit der Auswahl der entsprechenden Systeme. Diese Auswahlschwierigkeiten lassen sich jedoch durch Kooperationen mit geschulten und erfahrenen externen Partnern schnell überwinden. Die Hürden der digitalen Mobilmachung muss kein HR-Verantwortlicher allein bewältigen.

Digitaler Rückstand als sozialer Jetlag für die Belegschaft

Bei der Auswahl jener Systeme steht die Datensicherheit mit 61 Prozent an allererster Stelle, gefolgt von Flexibilität und Skalierbarkeit mit 15 Prozent, sowie Funktionsbreite mit 12 Prozent. 42 Prozent der Unternehmen wollen oder werden hingegen digitale Systeme für die Gehaltsabrechnung implementieren, 38 Prozent für die Mitarbeiterverwaltung und weitere 15 Prozent für einzelne Prozesse. Bezeichnend ist dabei, dass mit 55 Prozent mehr als die Hälfte der Unternehmen den globalen Mitarbeiterstamm mit einem System für die größten Länder managt, 32 Prozent nutzen ein System pro Land und lediglich 13 Prozent hat seine Prozesse an diesem Punkt schon globalisiert und nutzt ein einheitliches System weltweit.

Denn nicht umsonst werden mittlerweile nicht nur Nonstop-Flüge um die Welt, sondern auch ein beruflich bedingter Schichtbetrieb als (sozialer) Jetlag bezeichnet. Ein Kater erinnert die Menschen nämlich immer daran, dass sie nicht unbegrenzt belastbar sind. Und bei einem solch digitalen Rückstand entsteht für viele Unternehmen ein ähnlich hoher Druck. Dass das moderne Datenmanagement mit der Digitalisierung und dem Internet der Dinge auf die deutsche Unternehmenslandschaft zurollt, ist offen zu erkennen. Die Frage ist nur, welche Rolle die HR-Abteilungen bei diesem Wandel einnehmen wollen. Will man als strategischer Partner auftreten oder zum Spielball der IT-Experten werden?

About Sascha Grosskopf

Sascha Grosskopf is Head of the EMEA Fieldmarketing team at Cornerstone OnDemand, he is a digital leader, story teller, presenter and well known in the HR-Tech space - he knows how HR can make the big change for organisations.

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