Generation Y – Zwischen Klischee und Realität
DEMO

Generation Y – Zwischen Klischee und Realität

Talent Management

Generation Y – Zwischen Klischee und Realität

December 02, 2015 Sascha Grosskopf

„Glück kann man nicht kaufen“, sprach einst ein weiser alter Mann. Diese Losung scheint auch heute noch zu gelten, sofern man dem aktuellen Medienecho Glauben schenken möchte. Die Welt verändert sich – die Angehörigen der Gen Y  oder ihrer Nachfolgegeneration Gen Z haben andere Prioritäten, andere Träume und Ziele als die Generation ihrer Eltern. Sie leben in einer globalisierten, digital vernetzten Welt, die scheinbar unzählige Möglichkeiten für sie bereit hält – dies gilt insbesondere auch für die Jobsuche. Auf der Jagd nach den Führungs- und Fachkräften der Zukunft wird es für Unternehmen daher immer wichtiger, die Bedürfnisse der potentiellen Mitarbeiter zu kennen und zu verstehen. Als Werkzeug für diese Einordnung dienen moderne Generationen-Schubladen, die von Genration X über Babyboomer bis hin zu Gen Y und Gen Z reichen.  Doch wie zutreffend und hilfreich ist dieses Schubladendenken tatsächlich?

Jung, internetaffin, familiär, gebildet, anspruchsvoll und heimatverbunden – das ist die Generation Y. Doch zugleich ist sie verwöhnt, konfliktscheu, opportunistisch, arbeitsscheu, und unglücklich. Eine Generation, die sich primär selbst verwirklichen möchte, die nicht aufmuckt, sondern angepasst ist, die ihren Platz in der Gesellschaft und der Geschichte sucht.  Eine Generation, die sich zwischen Mocca-Macchiato, Instagram, Leistungsgesellschaft und Hipster-Mainstream-Subkultur nur eine Frage stellt: „Why?“. Für die Nachfolgegeneration Gen Z gilt das gleiche in Grün, wenn nicht sogar in verstärkter Form – schließlich ist dieser Generation eine Welt ohne Internet und Digitalisierung gänzlich unbekannt. Die Medien sind zumeist nur voll von Darstellungen und Studien, die aufdecken, was der sogenannten Gen Y wichtig ist – und ja, man kann hier leicht den Überblick verlieren. Einige Experten geben sogar Handlungsanweisungen mit auf den Weg. Scheinbar augenöffnende Erkenntnisse findet man zuhauf, doch sind wir mal ehrlich: Neu sind sie nicht, viel eher selbsterklärend und banal. Gen Y und Gen Z unterscheiden sich von ihren Vorgängergenerationen in erster Linie dadurch, dass sie – anders als noch ihre Eltern und Großeltern – die demografische Entwicklung im Rücken haben und deshalb ihre individuellen Vorstellungen von Arbeit in der Unternehmensrealität durchsetzen können. Doch wie jeder weiß, lassen sich Generationen erst in der Retrospektive abschließend bewerten. Die Ihnen zugeschriebenen „Klischees“  und „Attribute“ sind daher mit Vorsicht zu genießen.

Die Frage, die sich vor allem der Recruiter stellen muss, ist: Wem kann ich bei diesem Überangebot an Klischees überhaupt noch glauben? Wie erreiche ich die Menschen, die ich wirklich erreichen möchte? Wie wandelt man auf dem schmalen Grad zwischen Übertreibung und Untertreibung? Und letztlich: Wie finde ich die passenden Kandidaten für mein Unternehmen und wie halte ich sie? Experten empfehlen: Unternehmen müssen sich auf die Bewerber der Gen Y und ihre Bedürfnisse einlassen. Hier stellt sich natürlich die Frage, wann in der Geschichte Unternehmen eigentlich nicht auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen mussten, die dem gesellschaftlichen Umfeld entstammen, in dem das Unternehmen agiert? Natürlich müssen sich moderne Unternehmen auf ihre potentiellen Mitarbeiter einstellen, damit diese auch die erwünschte Leistung bringen. Insbesondere in solchen Arbeitsmärkten, die von qualifizierten Bewerbern bestimmt werden. Hier muss das Unternehmen den Bewerber überzeugen und nicht andersherum. Logisch ist auch, dass sich viele Angehörige der Gen Y und Z mehr Zeit für ihr Privatleben wünschen, und zugleich eine kollegiale Atmosphäre und reflektierte Führungskräfte. Wer wünscht sich das nicht?

Am Ende des Tages wäre es wohl ratsamer, sich von den gebräuchlichen Stereotypen zu verabschieden, um festzustellen, dass ein Personaler immer mit Individuen arbeitet, die per Definition sehr unterschiedlich sind. Wie unterscheiden sich die jetzigen Generationen von den Babyboomern? Natürlich durch das Alter und die Lebenssituation. Von der Lebenssituation rühren auch die individuellen Ansprüche. Das Internet macht das Leben nicht nur ungemein komfortabler, sondern beispielsweise auch Wissen für jedermann einfacher zugänglich. Junge Menschen haben damit mehr Möglichkeiten und Chancen. Daher werden sie sich fast immer andere Dinge wünschen als diese, aber manchmal eben auch nicht. Wir unterscheiden uns voneinander und sind am Ende des Tages doch alle die gleichen Spießer – oder Freigeister.

Es stellt sich daher wohl eher die Frage, wie auf die Bedürfnisse verschiedenster Persönlichkeiten im Unternehmen eingegangen werden kann. Wie lässt sich Vielfalt managen? Wohl kaum durch Generationen-Schubladen und vermeintliche Generallösungen. Voraussetzung muss ein Perspektivenwechsel in den Unternehmen sein. Sie müssen ihre Scheuklappen auf lange Sicht ablegen. Schließlich agieren erfolgreiche Unternehmen nie unabhängig von ihren Märkten – und sollten daher auch nie unabhängig von ihren Arbeitsmärkten agieren.  Überall gelten Fortschritt, Innovation und Modernität als Überlebensprinzipien. Gerade die Personalabteilungen müssen dem „lahmenden Pferd“ in dieser Hinsicht die Sporen geben und sich den Marktbedingungen optimal anpassen. Schließlich wird es in Zukunft wichtiger sein, die wahren Bedürfnisse und Fähigkeiten der Mitarbeiter zu kennen und beispielsweise mit entsprechenden Learning-Angeboten zu fördern, egal welcher Generation sie angehören. Nur auf diese Weise können qualifizierte Mitarbeiter gefunden werden, die sich langfristig für die Arbeit im Unternehmen begeistern lassen.

About Sascha Grosskopf

Sascha Grosskopf is Head of the EMEA Fieldmarketing team at Cornerstone OnDemand, he is a digital leader, story teller, presenter and well known in the HR-Tech space - he knows how HR can make the big change for organisations.

Comments

Keinen Artikel mehr verpassen?

Our RSS Feeds

Cornerstone Blog Feed

Lernen Sie, wie unser integriertes Talent Management Sie bei Ihren Herausforderungen unterstützt.
Erfahren Sie mehr über unsere Produkte