Heuschrecken nutzen HR als Vorweihnachtsbraten
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Heuschrecken nutzen HR als Vorweihnachtsbraten

Talent Management

Heuschrecken nutzen HR als Vorweihnachtsbraten

December 08, 2015 Sascha Grosskopf

Das Handelsblatt eröffnete am 6. November 2015 mit der Headline Finanzinvestoren quetschen Kraft Heinz aus. Dass die Investmentgesellschaft 3G schon länger an dem Deal arbeitet, der bereits im März offiziell vorgestellt wurde, ist kein Geheimnis. Gleichwohl die neuen Personalmarketingaktivitäten, die diese vollständige Übernahme jetzt nach sich ziehen.

Es werden nahezu alle bekannten Tools des Employer Branding radikal genutzt und das auf Anweisung von Kraft Heinz in einem MEMO vom Juli dieses Jahres:

  • Das Licht im Büro soll bei Nichtanwesenheit ausgeschaltet sein.
  • Reisen sollen vermieden werden, und falls man doch los muss, darf man maximal 50 Dollar pro Tag für Essen ausgeben.
  • Alle Gratis-Snacks aus der Eigenproduktion des Lebensmittelriesen werden abgeschafft.
  • Und mit 5000 Mitarbeitern werden rund 10 Prozent der Belegschaft entlassen.

Der geneigte Experte aus dem Employer Branding, der seine ganze Zeit in den Aufbau einer (positiven) Arbeitgebermarke investiert, reibt sich jetzt wohl verdutzt die Augen und wundert sich, warum hier so ziemlich gegen jede bewährte Employer-Branding-Regel verstoßen wird. Hinter dieser Aktion steckt das erprobte Mittel des Private-Equity-Riesen 3G, der sich seine Akquise durch radikale Kosteneinsparungen refinanziert, bevor das Unternehmen mit noch mehr Gewinn weiterverkauft wird.

Verschwendung zu vermeiden, ist schließlich eine löbliche Sache. Wenn solche Sparmaßnahmen allerdings in einer gnadenlosen Sparkultur gipfeln, wird’s schwierig.  Mit dem Vorgehen, 5.000 Mitarbeiter und damit 10 Prozent der Belegschaft auf einen Schlag zu entlassen, Produktionsstellen zu schließen, Geschäftsreisen und Gratissnacks zu streichen und selbst das Kopieren zu reglementieren, erreicht 3 G zwar kurzfristige Erfolge in Form eines verschlankten und finanziell einigermaßen stabilen Unternehmens. Langfristig legt man sich damit aber selbst ein Ei. Denn die negative Begleiterscheinung, die hier billigend in Kauf genommen wird, ist ein menschlich vollkommen desolates Unternehmen, in dem die Mitarbeiter buchstäblich ausgequetscht  werden wie eine Zitrone, oder – um im Bild zu bleiben – wie eine Ketchuptube. „Zero-Base-Budgeting“ nennt sich das Ganze dann – Finanz-Killer statt HR trifft es wohl eher. 

Der ambitionierte Personaler mag sich nun fragen: Wieso wird hier alles anders gemacht, um kurzfristigen Erfolg zu erzielen? Der Mitarbeiter ist doch mein höchstes Gut, die Arbeitgebermarke ist heute wichtiger denn je und die Mitarbeitermotivation der absolut entscheidende Faktor, um erfolgreich zu sein. Ich kann Sie beruhigen, Ihre Anstrengungen sind nicht vergebens. Die ernüchternden Ergebnisse der 3G-Strategie  zeigen, dass Personalstrategen genau richtig liegen:

„Der Konzern veröffentlichte am Donnerstag seine Quartalszahlen, die schlecht ausfielen. Sowohl Umsatz als auch Gewinn sanken, die Aktie knickte nachbörslich um mehr als ein Prozent ein. Als Hauptgrund für den Rückgang nannte Vorstandschef Bernardo Hees: „Wir führen Methoden wie das Zero-Based Budget ein.“
 

Nachdem HR seit Jahren einen Transformationsprozess mit dem Ziel durchläuft, die klassische Rolle als Erfüllungsgehilfe und Gehaltsverwalter abzustreifen und sich in Richtung eines ernstzunehmenden (Business) Partners mit strategischer Relevanz und Kompetenz zu entwickeln, stellt sich noch eine brennende Frage: Welche HR-Bilanzwerte zeigen deutlich, wie gesund das Unternehmen ist, wie engagierte die Belegschaft und wie motiviert? Welchen messbaren Einfluss hat Talent Management?

Gemessen an der schlichten Erkenntnis, dass Mitarbeiter heutzutage die wichtigste Unternehmensressource darstellen, sind die aktuellen Entwicklungen bei Kraft Heinz ein Paradebeispiel dafür, wie es aussieht, NICHT in Mitarbeiter zu investieren, sondern die Unternehmensrendite über alles zu stellen. Wie zeitgemäß kann es sein, die finanzielle Sanierung eines Unternehmens so kompromisslos voranzutreiben und sämtliche HR-Zukunfts-Prämissen über den Haufen zu werfen?

Die Antwort: gar nicht.

Das Vorgehen ist genauso veraltet wie die Methode der Nullbasisbudgetierung selbst und geht von Marktbedingungen aus, die so einfach nicht mehr existieren. Was heute zählt, ist eben nicht nur eine stabile Finanzlage, sondern langfristig und strategisch ausgerichtete Personalprozesse, die Mitarbeitern Zukunfts- und Entwicklungsperspektiven bieten, sie motivieren und damit an ein Unternehmen binden. Im Falle von Heinz Kraft meint man, es sich leisten zu können, Mitarbeiter in Scharen vor die Tür zu setzen, statt in sie zu investieren. Die Stimmung im Unternehmen dürfte damit im Keller sein – auch bei der (noch) bleibenden Belegschaft.

Unternehmenskultur oder positive Reputation als Arbeitgeber? Fehlanzeige.

Motivation, Loyalität, Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter? Ebenfalls Fehlanzeige.

Einen Schritt weiter gedacht: Verkauft 3 G das Unternehmen wieder, was findet der neue Eigentümer vor? Ein finanziell saniertes Unternehmen, in das er erst einmal Unmengen investieren darf, um das ruinierte interne wie externe Image wieder aufzupolieren. Denn anders als noch in den 1970iger Jahren – als  das Zero-Base-Budgeting erfunden wurde und Nachhaltigkeit in der Personalplanung für die meisten ein Fremdwort war – bleibt ein solches Verhalten, das HR abstraft, nicht ohne Folgen. Zeiten ändern sich.     

Eine besinnliche Vorweihnachts- und Adventzeit

About Sascha Grosskopf

Sascha Grosskopf is Head of the EMEA Fieldmarketing team at Cornerstone OnDemand, he is a digital leader, story teller, presenter and well known in the HR-Tech space - he knows how HR can make the big change for organisations.

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