Lernen von Pokémon Go: „Herr Schmidt, ich wähle Sie! Donnerblitz-Attacke!“
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Lernen von Pokémon Go: „Herr Schmidt, ich wähle Sie! Donnerblitz-Attacke!“

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Lernen von Pokémon Go: „Herr Schmidt, ich wähle Sie! Donnerblitz-Attacke!“

September 06, 2016 Sascha Grosskopf

Man hat ihnen bereits alles Mögliche zugeschrieben, als sie Ende der 90er Jahre von Japan nach Deutschland schwappten: „Diese Dinger machen unsere Kinder zu willenlosen Zombies!“ oder „Dieses Spiel ist ein massiver Aufruf zur Gewalt!“ Die Rede ist natürlich von den Pokémons und diese Aussagen hat es wirklich so von Pädagogen gegeben. Die quietschbunten Taschenmonster waren der Albtraum von Eltern und Lehrern, die den Hype nicht verstehen konnten. Heute wissen wir, dass die Angst vor den Biestern ähnlich unbegründet war, wie einst die skeptischen Aussagen von Eliten eine Generation zuvor, nämlich als Rockmusik und lange Haare als Verwahrlosung der Jugend betrachtet wurden.

Und genau wie die Rockmusik in den 70er Jahren ein wenig vor Disco- und Funkmusic in den Hintergrund geriet und durch Metal in den 80er Jahren wiederauftauchte, so feiern auch die Pokémons im Jahre 2016 wieder ein Revival in neuem Glanze – obwohl sie nie wirklich weg waren. Dennoch wird der Hype von vielen als abnormes Hobby wahrgenommen, dabei baut der Erfolg von Pokémon und somit auch der neuen App Pokémon Go auf einem einfachen Prinzip auf, das wir auch aus unserem Alltag und der Arbeitswelt nur zu gut kennen und das uns täglich beschäftigt. Wir alle suchen immerhin den passenden Partner fürs Leben oder das ideale Team auf der Arbeit. Die Kollegen entwickeln sich weiter und man muss damit lernen umzugehen und wächst am Ende auch an sich selbst. Bei Pokémon steckt lediglich noch eine ordentliche Dosis an Fantasy und Sci-Fi mit drin.

Für Unbescholtene: Was sind eigentlich Pokémons?

Bei den Pokémons (als Kofferwort für Pocket-Monster) handelt es sich um Hunderte von fiktiven Monstern, die Teils unseren Tieren ähnlich sehen (Shiggy kommt einer Schildkröte sehr nahe), sich an Fabelwesen anlehnen können (Glurak ist augenscheinlich einem Drachen nachempfunden) oder gänzlich der Fantasie ihres Erfinders Satoshi Tajiri entsprungen sind (googlen Sie z.B. mal das Pokémon Mewtu und versuchen Sie zu erklären, was das sein soll). Im Grunde ist es fast wie eine Weiterentwicklung von Tamagotchi; bloß, dass die Spieler – sogenannte Pokémon-Trainer – diese Monster erstmal suchen und dann auch mit unterschiedlichen Taktiken einfangen müssen. Doch damit fangen die Herausforderungen erst an, denn nicht nur kann man seine Pokémons füttern und aufpäppeln, sondern vor allem trainieren und ihnen Fähigkeiten und Attacken beibringen. Ab einem bestimmten Level können sich die Pokémon dann sogar weiterentwickeln – gleich einer Raupe, die sich verpuppt und zu einem Schmetterling wird. Wenn man z.B. seinen zunächst langweiligen Karpfen Karpador entsprechend trainiert, wird er sich mit viel Geduld irgendwann sogar in ein mächtiges Seeungeheuer namens Garados verwandeln. Die Spieler können dann ihre selbstgezüchteten Pokémon in einem Team aus max. sechs Monstern gegen das Team eines anderen Spielers antreten lassen. Die Wettkämpfe werden zusätzlich verfeinert, weil der Spieler seine Pokémons mit entsprechenden Items unterstützen kann und jedes Pokémon einem bestimmten Typ angehört, welches sich auf die Zusammensetzung des Teams auswirkt. Beispielsweise gibt es Eis-Pokémons, Wasser-Pokémons, Feuer-Pokémons, Pflanzen-, Elektro-, Stein und und und…ja, es gibt sogar Psycho-Pokémons. Doch keine Sorge, die Viecher sterben nicht im Kampf, sondern fallen lediglich in Ohnmacht. Es ist also nicht einfach irgendein digitales Sammelkartenspiel, sondern es steckt viel Strategie und auch Liebe zum Detail dahinter.

Was haben Pokémons mit dem Personalmanagement zu schaffen?

Nun ja, Monster einfangen klingt natürlich zunächst sehr abenteuerlich für den HR-Alltag. Aber seine Schützlinge dann in die Gruppe aufzunehmen, sie zu trainieren, mit entsprechenden Tools unterstützen, weiterentwickeln und schließlich ein Team aus ihnen formen…das klingt vertraut, nicht? Und wo einst die Kinder ihre Monster über den Gameboy aufeinander losließen, können nun dank der App und neuer Technologien die Monster mittels Kamera in unserer wirklichen Welt eingefangen werden. Die Kinder von damals sind aber heute erwachsen geworden, 40% der User sind bereits lange der Pubertät entwachsen. Es ist also kein Kinderspielzeug, sondern ein gesellschaftliches Phänomen und gute Personaler sing gut beraten, die Parallelen zwischen Pokémon Go und dem Recruiting zu nutzen, um eine bessere Kommunikation zu den heiß begehrten Nachwuchskräften zu erreichen. Lassen Sie es uns deshalb einmal gemeinsam analysieren.

Wie fange ich die besten Kandidaten?

Anfangs gab es „nur“ 150 Pokémons, die man unmöglich alle alleine sammeln konnte, denn die verschiedenen Spielversionen boten unterschiedliche Monster an – mit fortlaufender Entwicklung werden es dann sogar noch mehr. Bei Pokémon Go ist die Abhängigkeit von externen Faktoren sogar noch größer, da man spezielle Pokémons nur zu gewissen Zeiten an entsprechenden Orten finden kann. Ganz seltene, sogenannte legendäre Pokémons findet man sogar nur auf bestimmten Kontinenten. Um daher einen möglichst breiten Zugriff auf alle Monster zu haben, muss man sich mit anderen Stellen vernetzen und kooperativ zusammenzuarbeiten, beispielsweise mit einem anderen Spieler oder entsprechendem Personal auf Conventions. Vernetzung auf allen Ebenen ist also wichtiger Baustein, um Zugriff auf die besten Player zu erhalten, die man schließlich in sein potenzielles Team aufnehmen kann. Auch die Teilnahme an entsprechenden Events ist unverzichtbar, um den Anschluss an die Materie zu halten. Kooperieren Sie also mit Jobbörsen, vernetzen sie alle Abteilungenmiteinander und setzen Sie auf digitale Lösungen, um die begehrten Talente für sich zu gewinnen. Und haben Sie keine Furcht davor, dass das Team Rocket Ihren Mitarbeiter auf dem Heimweg auflauert und diese entführen will…das machen die nur mit Pokémons.

Wie trainiere ich sie?

Bei Pokémon läuft es auch hier wie im wirklichen Leben, denn ähnlich wie die Kreaturen auf dem Screen muss man auch die Kandidaten in seinem Team durch tägliches Wiederholen von praktischen Übungen ausbilden. Verschiedene Items wie entsprechende Learningprogramme bei Mitarbeitern können diesen Prozess fördern, aber nicht ersetzen. Übung macht eben am Ende nicht nur den Pokémon-Meister. Und wer weiß, vielleicht kann sich auch Ihr unscheinbarer Kollege durch entsprechende Unterstützung weiterentwickeln. Denken Sie nur an das Beispiel Karpador/Garados. Wollen Sie einen Karpfen oder einen Seedrachen? Genauso wichtig ist es aber auch, was Sie ihren Teammitgliedern beibringen. Bei Pokémon kann man seinen Liebsten max. vier Attacken beibringen, es stehen jedoch viel mehr zur Auswahl. Taktisches Geschick ist hier also gefragt. Ein guter Recruiter weiß, dass die Förderung der Stärken genauso wichtig ist wie ordentliche Basics. Durch entsprechende Analysen schaffen Sie es dann vielleicht sogar, noch ungeahnte Talente freizusetzen.

Nehmen wir mal an, Ihr Schützling sei das Wasserpokémon Turtok. Da wäre es natürlich sinnvoll ihm zwei Wasserattacken (beispielsweise Hydropumpe und Surfer) beizubringen. Statt ihn unnötig mit noch zwei weiteren Wasserattacken zu überfrachten, die seine Kapazitäten beanspruchen, obwohl er diese gar nicht brauchen wird, kann ein guter Teamleader einen anderen Weg einschlagen. So würde er seinen Feldspieler zusätzlich mit einer Allround-Fähigkeit (z.B. Tackle oder Bodycheck) ausstatten, die ihm auf jedem Terrain eine gute Grundlage bietet. Und bei sehr guter Führung kann der Trainer dann vielleicht noch ein verstecktes Talent freisetzen, das sogar eigentlich gar nicht dem Typ seines Schützlings entspricht (z.B. Eisstrahl oder Schaufler). Nicht anders verhält es sich mit ihrem Team auf der Arbeitsfront, wobei diese nicht gegen andere Angestellte in einer Arena antreten, aber doch in gewisser Weise gegen die Konkurrenz. In den Pokémon-Spielen kann man anhand einer Skala die Erfahrungswerte seines Tieres ablesen – dies ist in der gängigen HR nicht so einfach, aber unmöglich ist es bei weitem auch nicht. Cloud-basierte Lösungen und Tools wie Predictive Analytics können die Stärken und Schwächen Ihrer Mitarbeiter erfassen, sodass Sie Ihr Team ideal optimieren können. Lassen Sie sich dennoch vom Pokémon-Hype nicht derart anstecken, dass Sie Ihre Mitarbeiter um jeden Preis weiterentwickeln möchten und sie diese mit einem Mondstein traktieren oder ein anderes Unternehmen fragen, ob es nicht gewisse Mitarbeiter mit Ihnen tauschen möchte.

Wie stelle ich das ideale Team zusammen?

Genau wie bei Pokémon Go kann man auch bei Projekten nicht seine gesamte Belegschaft in die Schlacht schicken. Es gilt eine Auswahl zu treffen und das ideale Team für die entsprechende Mission zusammenzustellen. Dabei gilt es, die verschiedenen Stärken und Schwächen der Kandidaten zu beachten. Stichwort: Wasser-Pokémon bzw. Feuer-Pokémon. Das Team sollte dabei so aufgestellt sein, dass die Mitstreiter sich auch gegenseitig unterstützen und füreinander einspringen können. Denn genau wie bei den Fähigkeiten, sollte auch die Zusammensetzung des Teams gut ausgewogen sein und die Stärken wiederum die Schwächen eines anderen Mitgliedes auffangen. Richtig knifflig wird es aber, wenn es um die Vor- und Nachteile eines Spezialisten geht, für den es in der konservativen Personalplanung keine entsprechende Definition gibt. Übertragen wir das Beispiel auf Pokémon, so gibt es auch Typen wie z.B. Gift-, Käfer-, oder Geisterpokémons, welche sich nicht den Elementen Feuer, Wasser, Luft etc. zuordnen lassen. Doch diese Experten existieren nicht umsonst in unserer Welt. Ein guter Recruiter muss daher auch bei der Aufstellung seines Teams verkrustete Denkmuster durchbrechen und seine Personalstrategie flexibler gestalten. Klar, Wasser löscht Feuer, Feuer verbrennt Pflanzen usw. So läuft es auch bei den entsprechenden Pokémontypen ab. Aber wie verhält sich, wenn z.B. ein Bodenpokémon gegenüber einem Käferpokémon auftritt? Oder ein Psychopokémon gegenüber einem Luftpokémon? Was sind die Vor- und Nachteile eines Giftpokémons? Hier helfen keine Kochrezepte, die man einfach mal aus der Schublade zieht, sondern als guter Recruiter muss man sich in einem langen Onboardingprozess mit diesen „Performanern“ auseinandersetzen, um die versteckten Talente zu entdecken und ihre Fähigkeiten für das Team voll nutzbar zu machen. Natürlich ist auch hier Vorsicht geboten, seine Personalstrategie nicht zu sehr nach der Poké-Philosophie auszurichten. Schließlich wollen Sie ja auf der Betriebsfeier nicht als der Kollege belächelt werden, der dieses Fortbildungsseminar für das Büro gebucht hat – in Vertania City!

Vom Trainer zum Meister

Schließlich ist es das Ziel jedes Trainers am Ende Pokémon-Meister zu werden. Dies erreicht man, indem man spezielle Arenen aufsucht und dort gegen die regionalen Arena-Leiter antritt, welche bereits Pokémon-Meister sind. Sollte man sie besiegen, erhält man dafür als Belohnung einen Orden. Wer mindestens sieben Orden besitzt, darf der Pokémon-Liga beitreten und sich dort gegen die Besten der Besten messen. Es sind also mehr als genug Anreize gesetzt, um immer weiter an sich als Trainer zu arbeiten. Das Ergebnis zeigt am Ende, ob das vom Recruiter zusammengestellte Team funktioniert oder ob man seine Strategie ändern muss. Auszeichnungen und Badges befeuern die Motivation der Trainer zusätzlich. Aber ihr Wirken geht noch darüber hinaus. Denn erste Erfolge schweißen das Team weiter zusammen und lassen viele Synergieeffekte entstehen. Bei Pokémon Go kann es nämlich passieren, dass einer Ihrer Lieblinge Ihnen ab einem bestimmten Level plötzlich nicht mehr gehorchen will. Wer aber bestimmte Orden und Erfahrungen sammelt, erhält nicht nur das entsprechende Rüstzeug, um seine Aufstellung besser unter Kontrolle zu haben, sondern auch das Team selbst zollt der erfolgreichen Strategie ihres Leader irgendwann Respekt und wird einer Linie folgen. So gesehen entwickeln sich nicht nur die Pokémons, sondern am Ende auch der Trainer weiter Aber treiben Sie es auch hier nicht zu weit. Nicht, dass sie am Ende noch Ihr ganzes Büro ins Sportzentrum zerren und dort nach dem Arenaleiter verlangen.

Fazit

Fakt ist, dass wir alle Spiele lieben, egal wie alt wir sind. Denn Spiele bieten Herausforderungen. Daher sei es auch erlaubt, das Personalmanagement als dieselbe Challenge zu betrachten, wie viele Menschen es mit Pokémon Go tun. Zum Abschluss sei daher aber auch noch ehrlich gesagt, dass es auch ein Element gibt, dass wohl wirklich besser nur in der Poké-Welt beheimatet bleiben sollte. Und zwar das Motto „Schnapp Sie Dir alle!“ Denn eines der vielen Herausforderungen des Games ist es auch, am Ende alle Pokémons zu sammeln. Okay, aber kein Personaler sollte dieser Botschaft Rechnung tragen und möglichst versuchen jeden Bewerber in den Betrieb aufzunehmen – und dann auch nie wieder gehen zu lassen. Wer dies doch tut, der hat dann wirklich auch ein wenig zu viele Videospiele gezockt.

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