Mogelpower 2.0: Warum jeder Dritte für die Karriere lügt
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Mogelpower 2.0: Warum jeder Dritte für die Karriere lügt

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Mogelpower 2.0: Warum jeder Dritte für die Karriere lügt

April 24, 2017 Sascha Grosskopf

Ja, Sie haben die Überschrift richtig gelesen. Nahezu jeder Dritte ist nebenberuflich ein Scharlatan. Denn eine Studie hat ergeben, dass viele Arbeitnehmer geflissentlich lügen, um im Arbeitsleben besser voran zu kommen. Das Spektrum reicht dabei von „Ich war das nicht!“ bis zu „Alles meine Idee!“

Alleine im letzten Jahr haben wir uns mit verschiedenen Problemen des Frisierens von Fakten im Büro beschäftigt, bei denen es sich um gefälschte Lebensläufe oder Ghostwriter bei Bewerbungsmappen drehte. Die Erhebung des Soziologen Gerald Jellison von der Universität South Carolina zeigte dabei, dass man auf der Arbeit im Schnitt alle acht Minuten angelogen wird – für ein zehnminütiges Gespräch bedeutet dies, dass die Kollegen dreimal flunkern. Knapp 32 Prozent geben in einer anonymen Befragung offen zu, am Arbeitsplatz zu lügen. Der häufigste Grund sei es demnach, Stress und Problemen aus den Weg zu gehen und damit indirekt die Karriere zu beflügeln.

Die hohe Kunst der Unwahrheit

Die häufigste Lüge (40%) sei aber, krankzufeiern – weil es einfach besser beim Chef ankommt, als wenn man die Wahrheit sagt: „Sorry, hab heut‘ einfach keinen Bock ins Büro reinzuschneien…“ Leider hat die Mogelei in vielen Betrieben System. Denn natürlich wünschen sich alle Unternehmen einen offenen und ehrlichen Betrieb, aber kaum ein Manager wird es mit Wohlgefallen quittieren, wenn ein Mitarbeiter mal richtig ehrlich ist und voll vom Leder zieht, was ihn eigentlich zurzeit alles so stört. Manchmal gebietet es auch einfach der Anstand, höflich zu lächeln statt dem Gegenüber ins Gesicht zu wuchten, was man wirklich von ihm denkt.

Ist man also direkt ein Hochstapler, wenn man bei einer grottigen Kundenpräsentation des Chefs positives Feedback gibt, weil man es sich nicht verscherzen will?

Lüge ist nicht gleich Lüge

Laut einer weiteren Erhebung werden wir vor allem von Kollegen und Bewerbern am häufigsten am Telefon angelogen. Ob es daran liegen mag, dass man seinem Gegenüber dabei nicht in die Augen schauen kann oder der Anruf nicht aufgezeichnet wird? Immerhin folgt auf dem zweiten Platz das direkte Gespräch Face-to-Face, wo sich gerade viele Recruiter im Bewerbungsprozess damit rühmen, Lügner zu entlarven. Dabei können selbst gewiefte Profiler bloß jede zweite Lüge richtig deuten. Da kann man auch gleich eine Münze entscheiden lassen.

Umso frustrierender ist es für Personaler, wenn Sie zum Beispiel auf Ungereimtheiten in den Anschreiben der Bewerber stoßen. Darüber geben Studien zwar keinen Aufschluss, weil es natürlich keine empirischen Zahlen gibt, wie viele in ihrer Bewerbung geflunkert haben. Gleichzeitig müsste der Begriff Lüge fest definiert werden: Ist es zum Beispiel eine Lüge, wenn man im Anschreiben von sich behauptet, man sei sehr teamfähig, aber ist in Wahrheit lieber ein Einzelkämpfer? Wohl eher falsche Selbsteinschätzung. Der Grund, warum aber gerade bei Bewerbungen getrickst wird, ist natürlich derer, dass man unbedingt den ausgeschriebenen Job haben will und sein Motivationsschreiben etwas frisiert.

Das Codewort lautet SABTA

Hand aufs Herz: Ob bewusst oder unbewusst, bis zu einem gewissen Grad hat dies doch jeder bei der Arbeit getan. Man selbst erachtet es verständlicherweise nicht als Flunkerei, sondern als Werbung, um sich besser zu verkaufen. Wer also sagt, dass es eine Lüge sei, wenn ein unkollegialer Mitarbeiter von sich behauptet kommunikationsstark zu sein, dann muss man auch Werbung im Fernsehen als Lüge klassifizieren.

Allerdings gibt es auch immer wieder Kandidaten und Kollegen die ganz gezielt flunkern und sich in ein besseres Licht rücken wollen. Dieses Phänomen tritt häufig bei Meetings auf, wenn das sogenannte SABTA-Verfahren eintritt: Sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit. Nicht nur im Bewerbungsgespräch, sondern auch bei langjährigen Mitarbeitern kann dieses Verhalten beobachtet werden. Ein Anzeichen hierfür ist das Aufschnappen von klugschwatzenden Statements, die man umbaut und fein dosiert selber zum Besten gibt. Beispiel gefällig?

"Sie meinen also, dass diese Anlage die Performance nachweislich verbessert? Dem kann ich nur zustimmen."

oder

"Ich finde, was Kollege XY gesagt hat, ist das Entscheidende! Nämlich, dass..."

Je nachdem wie langsam man solche Sätze dann auch noch aushaucht, klingen die Argumentationen ziemlich bedeutungsschwanger – und freilich auch der Vortragende. Auf den ersten Blick sehr beeindruckend, in Wahrheit steckt aber nicht viel dahinter. Leider gibt es auf diese vielen Formen der Unwahrheit bisher kein empirisches Mittel, solchen Tricks in der HR entsprechend zu begegnen.

Im Endeffekt kann man hier nur noch an die eigene Vernunft jedes einzelnen appellieren oder die tatsächliche Leistung eines Mitarbeiters nicht durch seinen Auftritt, sondern anhand seiner Ergebnisse in Form vordefinierter KPIs festlegen. Sicher ist, dass früher oder später jede Lüge ans Licht kommt, da vor allem heutzutage im digitalen Zeitalter die Wahrheit meist nur einen Klick entfernt liegt.

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