Ooops! Die Angst vor dem Scheitern und wie Unternehmen dagegen vorgehen
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Ooops! Die Angst vor dem Scheitern und wie Unternehmen dagegen vorgehen

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Ooops! Die Angst vor dem Scheitern und wie Unternehmen dagegen vorgehen

July 02, 2018 Alicia Roy

Haben Sie Angst, dass Ihnen bei der Arbeit ein Fehler passiert? Natürlich sind Fehler nie schön, aber wenn Sie wirklich Angst haben, diese offen im Büro zuzugeben, dann könnte es sein, dass in Ihrer Firma die Fehlerkultur sehr schwach ausgeprägt ist. Doch wie lässt sich diese verbessern? Und warum können Fehler auch gut für Unternehmen sein? Im Rahmen der HR Failure Night konnte ich diese Frage beantworten.

Es ist nicht leicht, freiwillig über die eigenen Fehler zu sprechen. Menschen rücken von Natur aus ihre Schokoladenseite ins Rampenlicht und versuchen sich in gesellschaftlich akzeptabler Weise darzustellen. Gerade der Bereich Human Resources gibt sich ja gerne als keimfreie Zone, wo nur Platz für die best practices ist. Doch es ist kein Zufall, dass in der HR auch der Begriff human drinsteckt.

Unter diesen Vorzeichen nahm ich als Speaker bei der HR Failure Night in Wien teil. Warum? Na, weil wir gerade aus persönlichen Niederlagen immer die besten Rückschlüsse ziehen können. Während ich beispielsweise am Wiener Flughafen nach dem Event auf meinen Flug nach London warte, halte ich „The Radical Leap“ von Steve Farber in die Hand. Zufälligerweise ist mein Exemplar genau die Woche davor angekommen, hatte sehr gutes bei der UNLEASH in London darüber gehört und es wurde mir empfohlen zu lesen. Im Buch wird über Leadership gesprochen, keine Angst zuhaben Fehler zu machen, aber vor allem, offen darüber zusprechen um aus diesen zu lernen. Fehler machen uns menschlicher und zugänglicher.

Aber Erfolge tun dem Selbstwertgefühl natürlich gut, aber sie machen uns auf Dauer träge und unachtsam. Es mag simpel klingen, aber nur durch Fehler lernt man. Dieses Motto mutet recht altbacken an, aber es entspricht der Wahrheit. Und ist die Bereitschaft zum Risiko nicht auch immer irgendwo reizvoll? Erst vor zwei Jahren sorgte ein Professor an der renommierten US-Universität von Princeton damit für Aufsehen, dass er einen bewusst fehlerhaften Lebenslauf präsentierte. Seine Vita enthielt all seine Stationen des Scheiterns; aufgelistet wurden Stipendien, die er nicht erhalten hatte oder Jobs, zu denen er nicht mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Dafür erhielt der Mann großen Zuspruch.

Der Fall zeigt: Jeder kann mal scheitern und jeder gerät mal in die Situation, sein Ziel nicht zu erreichen. Darauf wollten meine Kollegen und ich bei der HR Failure Night zu sprechen kommen. Das Konzept des Abends wurde von Nicole Goodfellow und Dominik Hahn von Watchcando erfunden und gastierte nach Berlin und München erstmals in Wien. Neben Referenten wie Nina Schmidt, HR Lead bei Microsoft Österreich oder Jubin Honarfar, CEO von Watchando, war auch Manuel Ortlechner auf der Veranstaltung als Speaker geladen. Der Ex-Fußballprofi und Kapitän von FK Austria fungiert mittlerweile als erfolgreicher Projektleiter des Bildungsprogrammes VIOLAFIT, sowie als Senior Strategic Advisor für das Start-Up PLAYERHUNTER, und konnte als Sportler ein Lied von seinen Misserfolgen singen und wie man damit umgeht. Denn anders als im stillen Büro schauen beim Fußball hunderttausende Zuschauer auf der Tribüne oder auf dem Bildschirm zu, wie ein Spieler den Elfmeter verhaut. Nach der überaus peinlichen 0:2 Pleite von Deutschland gegen Südkorea bei der Fussball-WM in Russland kann die deutsche Nationalelf davon leider ein Liedchen singen.

Ein Abend voller Fehler

Ähnlich wie die sogenannten Fuckup Nights, wo Start-up-Gründer von ihren Schwierigkeiten beim Aufbau eines eigenen Unternehmens erzählen, lenkt die HR Failure Night nämlich den Fokus auf bereits etablierte Unternehmen und Konzerne. Laut einer Studie der Uni Hohenheim trauen sich demnach 42 Prozent der Deutschen aus Angst vor dem Scheitern nicht, ein eigenes Unternehmen zu gründen, obwohl sie sich eigentlich dazu in der Lage sehen. Oft wird hier die Erfolgsgeschichte des amerikanischen IT-Spezialisten Max Levchin beschworen, der nach vier gescheiterten Unternehmensgründungen mit PayPal endlich den Durchbruch schaffte. Fehler können eben auch den Nährboden für einen Neuanfang mit mehr Chancen bieten. Aber dafür muss man zunächst einmal anfangen, seine eigenen Fehler als diese anzunehmen und zu akzeptieren. Das wollte ich meinen Zuhörern mit meinem Vortrag verdeutlichen. Und nach einem eindrucksvollen Kick Off wurden alle Teilnehmer der Veranstaltung in vier Gruppen auf vier verschiedene Räume aufgeteilt. In jedem Raum hielt – in einem rotierenden System – jeder der Speaker eine 15-minütige Session ab. Dabei erzählte jeder anhand beispielhafter „Failure Cases“ von seinen individuellen Erfahrungen mit dem Scheitern und teilte seine daraus resultierenden Erfahrungen den Anwesenden mit. Best-Practice-Ansätze und bereits erfolgreich gelaufene Projekte vorstellen kann ja schließlich jeder. Sich sein eigenes Scheitern einzugestehen und damit öffentlich vor einem fremden Publikum darüber zu sprechen, erfordert hingegen Mut.

Try again, fail again, fail better

Der Dieselgate-Skandal bei VW hat bereits gezeigt, wie es in einem Unternehmen zugehen kann, wenn bei Fehlentscheidungen keiner die Verantwortung übernehmen will. Unternehmen im Silicon Valley wie Google stehen hingegen für das genaue Gegenteil; hier wird die Akzeptanz von Fehlern als Kreativität betrachtet, was jenen Konzernen den Ruf einbrachte, eine besonders ausgeprägte Innovationskultur zu entfalten. Das Motto sollte lauten „Dialog statt verurteilen.“

VW hat gezeigt, was aus einem Konzern werden kann, wenn man stattdessen eine Kultur des Vertuschens lebt– noch schlimmer ist natürlich in der Praxis Fehler auf andere abzuschieben. Wichtiger als automatisch einen Schuldigen für die Fehler zu suchen, ist es, die Ursachen in einer gründlichen Analyse zu eruieren. Nur wenn ein Mitarbeiter auf lange Sicht immer wieder dieselben Fehler macht, kann man von keinem Fehler im System sprechen, sondern sollte den Kollegen nochmal gründlich in die Arbeitsabläufe einweisen. Eine positive Fehlerkultur meint eben nicht, dass jeder tun und lassen kann, was er will. Es geht darum, Fehler in einem sachlichen Ton debattieren zu können und nicht zum Tabu-Thema zu erklären. Wer Fehler nicht gleich abstraft, schafft Vertrauen durch Empathie. So schwinden Ängste um die Karriere.

Eine positive Fehlerkultur zahlt sich auf lange Sicht aus

Fehler können auch immer den Anstoß geben, neue Lernprozesse zu initiieren. Der Ausdruck Fehler bezeichnet nicht umsonst ein leeres Glied in einer Prozesskette.

Das Stigma, das mit Begriffen wie 'Fehler' oder 'Scheitern' verbunden ist, führt zu vielen Unternehmensinsolvenzen, die zu spät angemeldet werden, denn viele dieser Firmen sind im Schnitt insolvenzreif. Das führt leider immer wieder dazu, dass Organe des Unternehmens in ernste Haftungsproblematiken geraten und eventuell sogar strafrechtliche Konsequenzen fürchten müssen. Mit einem offenen Umgang mit Fehlern, könnten viele dieser Firmen durch ein rechtzeitiges Eingreifen gerettet werden.

Bei Cornerstone OnDemand, Sponsor der HR Failure Night, habe ich die Erfahrung gemacht, dass Freiräume für Fehler existieren. Im Bereich Recruiting konnte ich zum Beispiel komplett in Eigenregie den Social Media-Bereich aufbauen, was damals als noch recht experimentell galt. „Oh Shit!“-Moments, wie sie auch in „The Radical Leap“ erklärt werden, hatte ich einige, aber Angst davor zu Scheitern hatte ich nicht, denn dafür hatte man mir ja entsprechende Freiheiten eingeräumt. Und das ist auch gut so, denn die HR ist auch längst nicht mehr nur auf die Administration festgelegt, sondern mittlerweile ein fester Bestandteil der Unternehmensstrategie. Daher muss die Förderung des Personals auch beinhalten, dass Mitarbeiter neben Erfolgen auch offen mit Fehlern umgehen können. Bei Cornerstone werden proaktive Ideen generell als positiv erachtet. Fehler machen heißt schließlich auch Ideen auszuprobieren und kreativ zu sein – und natürlich kann sich die ein oder andere Idee auch mal als großer Murks herausstellen. Aber dafür weiß man dann, wie man es beim nächsten Mal besser macht. Und wenn einem immer noch der Begriff der Fehlerkultur nicht gefällt, weil dieser zu negativ assoziiert wird, dann sprechen Sie stattdessen gern von einer Kultur der zweiten Chance.

About Alicia Roy

With a background in recruitment, Alicia is currently part of the marketing team and helps creating new content as well as building the online brand as a community manager.

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