Senior Experts: Hollywood gegen den demographischen Wandel
DEMO
Kontakt

Senior Experts: Hollywood gegen den demographischen Wandel

Future of Work

Senior Experts: Hollywood gegen den demographischen Wandel

July 15, 2016 Sascha Grosskopf

Hollywood greift ja bekanntlich gerne heiße Eisen aus der realen Welt auf, um sein Publikum in die Kinosäle zu locken. Heutzutage wird faktisch jeder Murks verfilmt. Es braucht nur eine Meldung in den Nachrichten und schon wird das Ereignis als dramatischer Blockbuster verschandelt. Jüngste Beispiele sind die Zelluloid-Ableger um die Ölkatastrophe von Deepwater Horizon oder die Piraterie in den somalischen Gewässern. Auch Mini-Games wie Angry Birds werden zum cineastischen Spektakel aufgepumpt. Und JA: Sogar das klassische Bausteinspiel Tetris wird verfilmt und befindet sich bereits in der Produktion! Natürlich sind die meisten dieser erhofften Perlen bloße Eintagsfliegen und verschwinden von der Leinwand genauso schnell wie aus dem kollektiven Gedächtnis der Zuschauer. Es wird nur eine Frage der Zeit sein bis die Flüchtlingskrise, Donald Trumps US-Präsidentschaftskandidatur und sogar Ihre Einkaufs-App auf dem Smartphone vor die Kamera gehen können. Da grenzt es schon fast an ein Wunder, dass der demographische Wandel noch nicht als packendes Gesellschaftsdrama mit schnödem Happyend verwurstet wurde. Aber wer glaubt denn heutzutage noch an Wunder?

Denn auch in der Filmbranche kommt der demographische Wandel langsam zum Tragen. Doch zumindest in dieser Hinsicht bietet Hollywood Vorbildfunktion. Denn alte bis greise Schauspieler sind so beliebt wie nie und schlüpfen plötzlich wieder in ihre Rollen aus den 1980iger Jahren. Das Paradebeispiel ist Sylvester Stallone, der seine Dauerbrenner „Rambo“ und „Rocky“ mit sich selbst in der Hauptrolle neu aufgelegt hat, und mit „The Expandables“ sogar viele andere alte Recken um sich scharen konnte. Mussten Sie nicht auch schmunzeln als grünes Licht für einen fünften Teil von Indiana Jones gegeben wurde? Mit Harrison Ford erneut in der Hauptrolle, der bei Abschluss der Dreharbeiten 77 Jahre alt sein wird. Wie mag da wohl der Titel lauten? Indiana Jones und der Krückstock des Todes? Aber was witzig und abgedroschen klingt, hat durchaus System. Denn die Filmstudios nutzen die Expertise der ergrauten Filmakteure statt sie aufs Abstellgleis zu setzen. Nur schleppend schaffen es junge, unverbrauchte Gesichter sich einen Nimbus zu erarbeiten wie ihn Robert De Niro oder Arnold Schwarzenegger bereits nach ein paar Streifen erlangt hatten. Die alten Schauspieler bringen Erfahrung, Charme und ein Image mit, welches die Zuschauer lieben. Es scheint, dass das Filmgeschäft die einzige Branche ist, wo man das hohe Alter als Stärke erkannt hat. Die Grauhaar- und Glatzenfraktion wird nicht als konservativer Bremsstein, sondern als altbewährter Motor wahrgenommen. Ja, das Filmgeschäft ist sogar eines der wenigen Branchen, wo die Granden nicht zum Renteneintritt gezwungen werden. Wer kann, der darf. Und er soll sogar. Und die meisten Showmimen nehmen das Angebot gerne an.

Warum aber herrscht in allen anderen Teilen der Wirtschaft solch eine Scheu, das Wissen von Senior Experts zu konsultieren? Dabei zeigte erst die jüngste Studie von MediaAccess unter dem Titel „Zukunft braucht Erfahrung“, dass es gerade bei älteren, aus der aktiven Arbeitswelt ausgeschiedenen Experten gutes Potenzial für Unternehmen im Kampf gegen den Fachkräftemangel gibt. Immer noch wird von diesem Potenzial aber zu wenig Gebrauch gemacht. Es bedarf eines Umdenkens wie in Hollywood, und zwar schnell. Denn langsam, aber unaufhaltsam nähert sich die Generation der sogenannten Baby-Boomer dem Renteneintrittsalter. Allein in den nächsten fünf Jahren werden bereits eine Million Erwerbstätige aus der Arbeitswelt scheiden – darunter unzählige hoch renommierte Fachkräfte. Dabei wollen immer mehr ältere Menschen arbeiten. Und auch wenn ein Teil der Senioren leider dazu genötigt wird, eine Aushilfstätigkeit aufgrund der kümmerlichen Rente aufzunehmen, so will der Großteil der hochqualifizierten Senioren rein auf freiwilliger Basis weiterarbeiten. Daher taucht seit einigen Jahren immer häufiger ein Begriff auf, der allen Personalern bald so vertraut sein wird wie der frühmorgendliche Gang zur Kaffeemaschine: Unruhestand.

Bei diesem Begriff geht es vor allem darum, Erfahrungen weiterzugeben. In der Studie gaben 90% der befragten Senioren an, mindestens einen Tag wieder für ihre alte Firma arbeiten zu wollen. Dies wäre eine absolute Win-Win-Situation, da man so auf die Expertise der Erfahrenen zugreifen könnte, die sich damit gebraucht und bestätigt fühlen. Gleichzeitig könnte man den jungen Nachwuchskräften den Einstieg erleichtern statt ihnen die Stellen zu blockieren. Dies spart nicht nur Ressourcen und Zeit, sondern durch die enge Verzahnung der altvertrauten Mitarbeiter mit den jüngeren Angestellten könnten auch elementare Synergieeffekte entstehen, die den Arbeitsablauf weiter ankurbeln.

Viel Zeit bleibt den Arbeitgebern nicht mehr, um das alte Eisen neu anzuheizen. Denn selbst wenn von heute auf morgen ein Mentalitätswandel einsetzen sollte, so gäbe es immer noch viele bürokratische Hürden zu überwinden. Bis dahin dürfen wir die feste Integration von Senioren auf dem Arbeitsmarkt weiterhin nur im Kino genießen. Auch im Filmgeschäft hat es wohl kaum ein Star nötig, sich vor die Kamera zu stellen, um seine Rente aufzupäppeln, vielmehr haben sie einfach Lust, ihren Job weiter auszuüben Die einzig bekannte Ausnahme bildet hier wohl nur Sean Connery, der zwar genug auf der hohen Kante hat, um sich von ein paar schönen Frauen die Trauben in den Mund stecken zu lassen, aber trotz hunderter Filmangebote lieber zuhause bleibt – weil er nach eigener Aussage seinen Ruhestand zu sehr genießt.

Comments

Keinen Artikel mehr verpassen?

Our RSS Feeds

Cornerstone Blog Feed

Lernen Sie, wie unser integriertes Talent Management Sie bei Ihren Herausforderungen unterstützt.
Erfahren Sie mehr über unsere Produkte

Tags

Archiv