Vollzeitnarr gesucht! Wenn es im Recruiting mal wieder länger dauert…
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Vollzeitnarr gesucht! Wenn es im Recruiting mal wieder länger dauert…

Talent Management

Vollzeitnarr gesucht! Wenn es im Recruiting mal wieder länger dauert…

July 10, 2017 Geoffroy De Lestrange

Einstellungsprozesse beanspruchen immer mehr Zeit und frustrieren damit Bewerber wie auch potenzielle Arbeitgeber. Dabei ist die extreme Verlängerung der Anwerbezeiten im Recruiting nicht das Ergebnis traditioneller Strukturen im Personalmanagement, sondern das genaue Gegenteil ist der Fall. Machen sich Recruiter damit am Ende zum Hampelmann?

Für viele Taugenichtse ist es der ultimative Wurf: Mit Erlaubnis des Arbeitgebers in ein buntscheckiges Narrenkostüm zu schlüpfen und wild gackernd Ulk-Lieder trällern – und dafür obendrein auch noch ein ordentliches Gehalt zu kassieren. Aber das Beste: Die Stelle ist Vollzeit und unbefristet! Was selbst nach einer Posse klingt, war aber tatsächlich eine ernst gemeinte Stellenausschreibung der Stadt Mölln, für die man sich noch bis vor kurzem bewerben konnte. Die mittelalterliche Kleinstadt suchte dabei einen Mitarbeiter für das Kuramt. Die Aufgabe:

Den legendären Till Eulenspiegel aus den Märchen mimen und als Hofnarr durch die Straßen der Altstadt zu lümmeln, um das Volk und die Stadtherren bei Laune zu halten. Der ultimative Albtraum oder absoluter Traumjob? Wären zumindest alle Stellenausschreibungen so ausgeflippt wie diese, würde es im Recruiting wahrscheinlich ebenso heiter zugehen. Denn das haben die HR-Abteilungen auch bitter nötig, wie eine jüngste Studie zeigte.

Will man Bewerber mit unnötigen langen Bewerbungsdurchläufen zum Narren halten?

In der Tat könnte das Recruiting auch ein bisschen mehr Kasperle vertragen, das die festgefahrenen Abläufe mal so richtig entmieft. Die Studie Why is Hiring Taking Longer? des Arbeitgeberbewertungsportals Glassdoor zeigt, dass Einstellungsprozesse immer mehr Zeit beanspruchen. Und das ausgerechnet in einer Epoche, wo man über die digitalen Kanäle glaubte, dass Bewerbungsmappen und unnötiger Papierkrieg längst in die Mottenkiste gewandert seien? Die unnötige Länge des Bewerbungsprozesses wirken sich natürlich rückwirkend auch auf die Unzufriedenheit der Kandidaten aus. Viele Unternehmen vergraulen aussichtsreiche Bewerber womöglich schon im Vorfeld. Man stelle sich ein deutsches Unternehmen aus dem typischen Mittelstand vor und wie ein Gaukler im Harlekinkostüm und Schellenring um das Firmengelände tigert, um das lahme Bewerbungsprozedere zu besingen:

Mal abgesehen von dem Troubadour ist dieses Szenario gar nicht so sehr Fiktion. Bewerbungsverfahren dauern in deutschen Unternehmen im Schnitt nämlich neun Tage länger als beispielsweise in den USA oder Kanada. Dort sind es durchschnittlich 22 Tage. Von allen befragten Ländern, waren nur die Franzosen noch zögerlicher als die Deutschen. Aber auch unabhängig vom Ländervergleich ist den deutschen Recruitern das Tempo so ziemlich abhandengekommen. Alleine heute braucht ein Unternehmen 3,7 Tage länger bis zur Einstellung als noch 2010. Was ist die Ursache für diese Erlahmung?

Intensiveres Recruiting als Auslöser für das Schneckentempo

Natürlich bewerten die Verantwortlichen der Erhebung die Verlängerung des Bewerbungsprozesses im Ganzen negativ. Dennoch hat dieser Lapsus nichts mit einer Verknöcherung des Recruitings zu tun, auch wenn dieser Schluss naheliegt. Im Gegenteil: Die Verlängerung der Prozesse hängt mit einer Intensivierung des Bewerbungsmanagements zusammen. Immer häufiger werden Background-Checks, Fertigkeits- und Persönlichkeitstests bis hin zu Drogentests eingesetzt. Und all dies frisst Zeit und zuweilen auch die Nerven der Kandidaten. Man braucht keinen Blödel-Barden, um die Bewerber zu verstehen, die keine Lust auf ein Unternehmen haben, das sich mit Assessment-Center zu Tode plant – und am Ende lassen die Personaler dann doch nur ihr Bauchgefühl entscheiden.

Während es in den letzten Jahren bei den Einstellungsgesprächen in Deutschland kaum zu Veränderungen kam, berichteten derweil Bewerber in Amerika von einer Zunahme von Kontroll- und Auswahlverfahren. Demnach wird in den USA inzwischen in 42 Prozent der Bewerbungen ein Background-Checks durchgeführt – vor wenigen Jahren war es nur in 25 Prozent der Fall. Da die Studie vor allem aus der Sicht der Bewerber betrieben wurde, zeigte sich auch, dass die Dauer des Verfahrens vom Arbeitgeberprofil abhing. Gemeint sind damit Fälle wie Branchenzugehörigkeit, Standort oder Mitarbeiterzahl. Die längsten Wartezeiten erwarten einen dabei im öffentlichen Dienst. In Franchise-Unternehmen wie diversen Fast-Food-Ketten a la McDonalds gehen die Verfahren dagegen am schnellsten vonstatten.

Anforderungen und Wünsche müssen in Einklang gebracht werden

Diese Wartezeiten spiegeln sich auch in der IDC-Studie 2017 wieder, wo beispielsweise nur 24 Prozent der deutsche Manager angeben, dass sie mit dem Recruiting voll zufrieden sind. Speziell befragt nach dem Zeitrahmen gaben sogar nur 14 Prozent an, dass sie damit voll zufrieden seien. Dabei macht Recruiting im HR-Geschäft noch rund 57 Prozent der Aufgaben eines Personalers aus. Da die Verlängerung der Prozesse nachweislich mit einer stärkeren Beschäftigung der Unternehmensführung einhergeht, ist zumindest der Einsatz des Managements wertzuschätzen. Allerdings müssen in Zeiten des demographischen Wandels die Anforderungen der Unternehmen mit den Wünschen der Kandidaten in Einklang gebracht werden. Ansonsten wird sonst ein so mühsam entwickeltes Recruiting- und Onboarding-System kontraproduktiv für das Unternehmen, weil es recht zeitintensiv ist und viele potentielle Bewerber verscheucht. In vorigen Blogbeiträgen hatten wir bereits über flotte und moderne Lösungsansätze berichtet. Der Fokus muss darauf liegen, innovativ und flexibel zu sein. Schließlich bestand auch die Stadt Mölln darauf, dass der Bewerber sich mit der Rolle des Eulenspiegels identifizieren kann.

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