Zukunft Personal 2017: Die neue Achtsamkeit am Arbeitsplatz
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Zukunft Personal 2017: Die neue Achtsamkeit am Arbeitsplatz

Future of Work

Zukunft Personal 2017: Die neue Achtsamkeit am Arbeitsplatz

September 18, 2017 Sascha Grosskopf

Meditation, Jogging, Yoga-Training und natürlich eine vegane Ernährungsweise. Der Mensch des 21. Jahrhundert sucht immer stärker nach einem gesunden Lebensstil und trägt diesen auch nach außen. Aber was hat dieser moderne Lifestyle mit der Zukunft Personal zu tun? Das Codewort lautet „Mindfulness“ und ist der neuste Trend in Sachen Work-Life-Balance. Aber ist die neue Form der Achtsamkeit wirklich relevant für die Arbeitswelt oder nur eine hippe Modeerscheinung?

Viele Trends sind leider Selbstläufer, die durch die Medien befeuert werden und die Leute dazu drängeln, sich damit zu befassen oder bei der Entwicklung mitzumachen. In der Wirtschaft stehen Unternehmen unter ähnlichem Druck, die richtigen Zeichen der Zeit zu erkennen. Aber anders als Individuen müssen sie nicht als vermeintlich uncoole Protagonisten die Schmähung ihres Umfeldes befürchten, wenn sie gegen die Mode schwimmen, sondern setzen stattdessen ihre ökonomische Existenz aufs Spiel. Digitalisierung, Diversity oder demographischer Wandel? Viele Entwicklungen prasseln schon seit langem auf die Unternehmer ein. Während die einen Ratgeber vom Employer Branding 4.0 sprechen, behaupten andere Hohepriester, dass Employer Branding komplett der Vergangenheit angehöre. Und dann erst der Dauerbrenner mit der künstlichen Intelligenz...

Genau diese Unübersichtlichkeit sorgt dafür, dass viele Unternehmer neue Trends nur oberflächig und kosmetisch in ihr Firmenprofil übernehmen. Bekannte Beispiele sind bis heute die Verschleppung der Datenauslagerung in die Cloud oder der kooperative Ausbau einer ganzheitlichen IT-Infrastruktur. In diesem Jahr wollen wir zur Zukunft Personal mehr den Menschen in den Fokus rücken, denn bei all den technischen Neuerungen, müssen auch die Mitarbeiter sich in einer rasch verändernden Arbeitswelt zurechtfinden.

Viele Manager und Mitarbeiter bewegen sich aber leider noch immer in Systemen, die von ihren Mitgliedern permanent mehr Leistung und Effizienz einfordern. Nicht umsonst hat die Weltgesundheitsorganisation, WHO, Stress zur größten Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts erklärt und wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung. Diesem Thema wird sich auch Europas größte Fachmesse für die HR, die Zukunft Personal, widmen, welche diese Woche in Köln startet.

Mindfulness: Das Tool gegen Burnout

Passend zur Zukunft Personal wurde auch der Zukunftsreport veröffentlicht. Der Bericht diskutiert dabei jährlich über die Wirtschaftswelt, jenseits des Wachstumsparadigmas, die neuen Regeln im “War of Talents” und die Idee einer neuen, hedonistischen Nachhaltigkeitskultur. Im Fokus steht aber ebenfalls die nächste Evolutionsstufe der digitalen Gesellschaft und damit der Mensch im Zeitalter der adaptiven Technologien. Dort wird der neuen Achtsamkeit großes Gewicht für die Zukunft beigemessen.

Wenn selbst Mercedes seinen Mitarbeitern Mail-Zwangspausen und digitalen Urlaubs-Absentismus verordnet, dann wird ersichtlich wie weit Mindfulness bereits in die deutsche Arbeitswelt vorgedrungen ist. Der Pharmakonzern Genentech startete beispielsweise schon ein komplettes Programm, das die seelische Zufriedenheit seiner Mitarbeiter steigern soll. Bei diesen Programmen geht es aber nicht nur um Yoga oder Rückengymnastik. Vielmehr soll eine kognitive Selbst-Wirksamkeit erreicht werden. Natürlich werden wir es nicht erleben, dass Google irgendwann davon abrät, nicht mehr so viel zu googeln, aber immerhin hat schon CEO Larry Page öffentlich erklärt, dass man das Handy besser nicht zum Essen oder mit ins Schlafzimmer nehmen sollte. All dies fällt unter den trendigen Begriff Mindfulness und ist damit die Antwort auf das Burnout-Syndrom.

Seit 2010 scheint Burnout die neue Volkskrankheit zu sein – bereits 2012 titelte das Manager Magazin „Die kranke Republik“ und machte auf das Thema aufmerksam. Laut der DAK-Krankenkasse sind etwa 15 Prozent der Krankheitstage von Arbeitnehmern auf psychische Störungen zurückzuführen. Außerdem steigt die Zahl derer, die wegen einer psychischen Erkrankung vorzeitig in Rente gehen müssen. Lag ihre Anzahl im Jahre 2000 noch bei 50.000 Krankmeldungen, waren es 2014 laut Deutscher Rentenversicherung bereits 75.000 Menschen. Demnach meldet alleine die Deutsche Bank in einem Jahr 1.400 bis 1.900 Fälle von Burnout. Die meisten Unternehmen hüllen sich dazu leider immer noch in Schweigen und einige Manager behaupten sogar, dass das Burnout-Syndrom lediglich ein moderner Mythos sei. Allerdings erscheint es fraglich, ob ein Mythos auch die Vorstände der DAX-Konzerne zum Umdenken bringt und auf Mindfulness setzen lässt. Volkswagen führt zum Beispiel schon medizinische Check-ups und Voruntersuchungen durch oder bietet überdies sportliche Aktivitäten und Seminare zur Stressbewältigung an. Einige Firmen machen Gesundheit und Stress sogar zum Thema regelmäßiger Mitarbeiterbefragungen. Andere, darunter auch die Allianz, führen die gesetzliche Gefährdungsbeurteilung zu psychischen Belastungen und Beanspruchungen am Arbeitsplatz durch. Tatsächlich melden die meisten Krankenkassen und Institute, dass die Zahl der Burnout-Betroffenen nicht weiter steigt und sogar wieder leicht abfällt. Erklärt wird dies eben im Zusammenhang mit dem neuen Bewusstsein für mehr Achtsamkeit.

Aber was kann der Mitarbeiter am Arbeitsplatz auf die Schnelle tun? Hier drei Denkanstöße für Erste Hilfe:

Mitarbeiter müssen Checkpoints lokalisieren: Mit Checkpoints sind in diesem Zusammenhang die Momente am Tag gemeint, an denen man immer wieder unterbrochen und aus der Konzentration gebracht wird. Anstatt sich automatisch auf diese Ablenkung einzulassen, müssen primäre Ziele gesteckt werden. So können zum Beispiel Zeitfenster vereinbart werden, wo man nur dreimal am Tag in sein Emailpostfach guckt und dann alle Anfragen beantwortet und sich danach wieder für mehrere Stunden voll und ganz seinem Projekt zu widmet.

Gönnen Sie sich eine Bewusstseins-Pause: Einmal in der Stunde sollte eine 45-Sekunden-Pause eingelegt werden, quasi eine Reset-Taste für die Seele. 45 Sekunden mag sich kurz anhören, aber es ist nachweislich genug Zeit, um den Zyklus aus Hektik und Stress zu durchbrechen. Und falls es mit dem Abschalten Schwierigkeiten geben kann, helfen hier sogar nützliche Apps.

Verringern Sie Multitasking: Viele Menschen haben die Angewohnheit einmal geöffnete Programme, Meldungen und Browser bis zum Feierabend nicht mehr zu schließen. Dabei tritt auf diese Weise ein ähnlicher Stressfaktor auf, wie wenn man seinen Arbeitsplatz nicht aufräumt. Es entsteht ein unterbewusstes Multitasking. Anwendungen, die Sie auf Ihrem Rechner mindestens für die nächste Stunde nicht brauchen, sollten daher geschlossen werden. Gleichzeitig nimmt dies weniger Rechnerkapazitäten in Anspruch und beschleunigt so die anderen Arbeitsprozesse des PCs.

Mindfulness darf nicht mit Nachhaltigkeit oder Wellness verwechselt werden

Dennoch gibt es immer noch Zweifler. Wie kann es schließlich sein, dass ausgerechnet in Deutschland – einem der wohlhabendsten und sichersten Länder der Welt – die Menschen vor lauter Stress umkippen? Ja, das Ganze mag noch sehr abstrakt klingen, aber wir leben in einer Welt, die sich rund um die Uhr durch wilde Tweets und News-Ticker nahezu täglich neu hysterisiert. Was eine „Meldung“ ausmacht und was nicht, entscheiden ja mittlerweile schon Klickraten. Durch das dauernde Einprasseln der Massenmedien entsteht dieses Klima der Angst, obwohl es den Deutschen eigentlich gesellschaftlich und wirtschaftlich so gut geht wie noch nie. Doch genau diese Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität, Zeit und Zeitgeist macht Mindfulness so wichtig.

Da die Deutschen aber durch eine 24h-Erreichbarkeit mittlerweile an die Grenzen ihrer informellen Kapazitäten gelangen, empfinden viele einen Zustand der Erschöpfung – man ist in Wahrheit kommunikativ überfordert und nicht durch den Job überarbeitet. Das ist der große Unterschied und erklärt, warum das Burnout-Syndrom – trotz eines hohen Lebensstandards – in Deutschenland seit dem Millennium immer häufiger auftritt. Es ist schließlich kein Zufall, dass die Zahl der Betroffenen einhergeht mit der immer stärker werdenden Digitalisierung. Burnout ist daher definitiv kein Mythos. Deshalb steht die neue Achtsamkeit auch für etwas ganz anderes als Wellness: In einer überreizten und überkomplexen Welt müssen Mitarbeiter und Manager lernen, sich auf neue Weise auf sich selbst zu besinnen. Schließlich wusste schon Immanuel Kant: „Denken ist Reden mit sich selbst.“ Damit wird auch Kritikern begegnet, die behaupten Mindfulness wende sich gegen die Individualisierung. Das Gegenteil ist der Fall: Es eine Form der wahren Realisierung von Individualität im Zeitalter der Übernervosität und damit in gewisser Weise ein Update unserer mentalen Software. Auch so funktioniert die Digitalisierung, der Mensch muss sich ebenfalls mitentwickeln. Ein Fachbegriff in diesem Fall ist Omline – nicht zu verwechseln mit Online!

Diese Selbstbesinnung – ausgeführt durch Konzentrationsübungen oder Seminare – muss den heutigen Mitarbeitern deutlich machen, dass man mit der digitalen Welt verbunden ist – aber eben auch nicht abhängig. Der Mensch bestimmt das Pensum. Mindfulness hat also wenig mit spirituellen oder gar esoterischen Praktiken zu schaffen, auch wenn einige Yoga-Seminare diese Grenze freilich nicht immer ganz klar ziehen können, wenn der Trainer, eine Art selbsternannter Zen-Meister, eine höhere Bewusstseinsstufe durch exotische Riten verspricht. Auf der Zukunft Personal wird man dagegen eher konkrete Mindfulness-Angebote finden, die sich über Zeitmanagement bis hin zu Konfliktlösungen erstrecken werden. Cornerstone OnDemand bietet beispielsweise mit seiner Softwarelösung Cornerstone Engage eine konkrete Anwendung, wo Unternehmen schnell und unkompliziert Umfragen zur Mitarbeiterzufriedenheit durchführen und auswerten können. Am Info-Stand von Cornerstone können Besucher auf diese Weise in Echtzeit erfahren, wie die man die HR-Prozesse in einem Unternehmen evaluieren kann. Praxisnah erfährt man, wie Manager Daten gezielt einsetzen können, um bessere Entscheidungen für die mentale Gesundheit der Belegschaft zu treffen.

Aber Mindfulness läuft natürlich auch Gefahr inflationär und zum lukrativen Business für irgendwelche obskuren Wunderheiler zu geraten. Das wird sich wohl nicht ganz vermeiden lassen. Aber für die Unternehmer bedeutet die neue Achtsamkeit einen Paradigmenwechsel. Von der Personalabteilung, die auf andere Weise mit Menschen umgehen muss, bis zum Mindset der Führung. „Gesund führen“ muss daher das neue Mantra im Leadership lauten, wenn im Zeitalter, wo Daten das neue Öl darstellen, Nachdenklichkeit eine knappe Ressource ist. Lassen Sie sich daher die Gelegenheit nicht entgehen und diskutieren Sie über diese oder andere wichtige Themen aus der HR-Branche auf der Kölner Fachmesse mit.

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