Gamification – spielerisch zum Erfolg!
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Gamification – spielerisch zum Erfolg!

Future of Work

Gamification – spielerisch zum Erfolg!

October 16, 2017 Geoffroy De Lestrange

Wenn es um die Motivation der Mitarbeiter geht, waren Anreize schon immer das beste Hausmittel einer jeden Firma. Das ist ein alter Hut. Entscheidend ist aber, nicht nur eine kurzfristige Steigerung der Performance zu erreichen, sondern eine langfristige Personalförderung zu betreiben.

Wir haben in unseren Blogbeiträgen bereits viel über die Digitalisierung geschrieben. Die meisten Menschen – insbesondere seit den 90er Jahren – dürften ihre ersten Erfahrungen beim Sprung ins digitale Zeitalter mittels Computerspielen gemacht haben. Atari, Commodore 64, Nintendo bis hin zu den heutigen High-Definition-Geräten wie X-Box oder PlayStation sind die Stichworte. Bemerkenswerterweise hat sich der Aufbau von Videospielen seit den 90ern kaum verändert. Bis heute gilt zum Beispiel das Game „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“ aus dem Jahre 1998 als das weltweit beste Spiel aller Zeiten, weil es mit seinen Rätseln, Disziplinen und Herausforderungen neue Maßstäbe setzte – vor allem, weil es diese in eine attraktive Umwelt integrierte, die erst mit dem nötigen Storytelling die Menschen fesselte.

Auch heute gilt es noch, Aufgaben und Rätsel zu lösen sowie Scores und Erfahrungspunkte zu sammeln. Beim Abschluss eines Moduls oder Levels schaltet man bestimmte Incentives und Auszeichnungen frei. Und mit jedem Level wird es stetig etwas herausfordernder. Seit etwa 2010 findet dieses Grundprinzip unter dem Stichwort „Gamification“ immer häufiger Anwendung in der Arbeitswelt. Eine Studie der Universität von Denver konnte bereits nachweisen, dass Mitarbeiter, die ein ganzheitliches Gamification im Learning durchlaufen, 14 Prozent bessere Leistungen erzielen, wenn es darum geht, die neuen Skills anzuwenden. Und für die HR ist es umso interessanter, denn das Gartner-Institut hat bereits herausgestellt, dass Gamification in Zukunft ein enger Bestandteil des Human Capital Management werden wird.

Doch wie können Unternehmen das Prinzip der spielerischen Herausforderung besonders erfolgreich in der täglichen Praxis umsetzen? Und welche Elemente sind bezeichnend für die Gamification?

Infotainment für die Belegschaft

Besonders bewährt hat sich Gamification in den letzten Jahren im Bereich Learning, um die Mitarbeiter auf innovative Weise weiter zu fördern. Statt spröder Seminare und Lernmodule, die einen Nachweis über „erfolgreiche Teilnahme“ ausspucken, müssen die Kollegen auf eine Reise mitgenommen werden. Folgende Kriterien sollten dabei erfüllt werden, um eine gute Ausgangsbasis zu erreichen:

Transparenter Status: In Videospielen zeigen Balken dem Spieler jeweils den Status in verschiedensten Kategorien. Beim Learning lässt sich diese Funktion nutzen, um dem Mitarbeiter seinen Fortschritt anzuzeigen. Sobald ein Mitarbeiter eine gewisse Punktanzahl in der Fortschrittskala erreicht hat, kann er zum Beispiel  einen Bonus vom Management, wie einen Amazon-Gutschein, erhalten. Solche Elemente eignen sich um Mitarbeiter aus dem „Autopilot-Modus“ bei der täglichen Arbeit herauszureißen und eine Kollaboration unter den Kollegen anzustreben. Dabei immer die subjektive Erfahrung der Anwender im Blick behalten, also ein gesundes Maß an Ansporn finden, ohne negativ empfundenen Druck aufzubauen.

Quest: Der interessanteste Aspekt ist wohl die Quest, die man auch als Heldenreise bezeichnen könnte. Bekannt wurde der Begriff vor allem durch mythische Rollenspiele aus Fantasiereichen wie „World of Warcraft“. Dabei geht es insbesondere darum, ins nächste Level aufzusteigen. Im Fall des betrieblichen Learnings könnte diese Funktion durch Rätsel, Knobelaufgaben oder Fleißpunkte Anwendung finden. Wichtig dabei aber ist der „Gamer-Effekt“. Die Inhalte müssen dabei einfach, interessant und ansprechend verpackt werden. Ein Beispiel aus dem Personalwesen: Ein Unternehmen will die Soft Skills von Bewerbern herausfinden und diese erkennt man am besten anhand bestimmter Situationen. Es gibt eine Herausforderung und nur bestimmte Ressourcen stehen einem zur Verfügung – wie kann man das lösen? Ein konkreter Anwendungsfall, der hier unter Recruiting-Games fällt: Die Hotelgruppe Marriott hat zum Beispiel auf Facebook das Spiel „My Marriott“ veranstaltet, um zu zeigen, was es im Hotelbetrieb alles zu tun gibt. „Die Sims“ fürs Hotelwesen sozusagen.

Rangliste: Eines der wichtigsten Prinzipien des Gaming ist das Sammeln von Punkten – inklusive Highscore. Das Prinzip: Wettbewerb ist gut, aber er muss spielerisch vonstatten gehen und die Rangliste muss transparent sein. In der Arbeitswelt entsteht genau auf diese Weise erst das richtige Teamplay. In fortgeschrittenen Stadien könnten Mitarbeiter in bestimmten Modulen auch gegeneinander antreten oder wahlweise auch gemeinsam im Coop-Modus agieren und sich gegenseitig unterstützen. Mit der Zeit können dann Ranglisten über die beliebtesten Module angelegt werden, damit neue Mitarbeiter direkt einsehen können, welche Tools hoch frequentiert sind oder welche Learnings besonders gut für neue Mitarbeiter geeignet seien. Die entsprechenden Module müssen also auch immer im Kontext angelegt werden. Jedes Alter, jeder Job, jede Situation erfordert andere Spiele.

Cascading Information: Trotz all der spielerischen Elemente ist am Ende der Fokus auf die richtigen Informationen wichtig. Bei Videospielen waren hier eine einfache Steuerung und leichte Orientierung gemeint. Für den Bereich Learning sollte der Anwender bei seiner Quest nur die für ihn wichtigsten Information sehen, wie die erweiterten Optionen oder einfache Steuerungselemente; die sogenannten Game Mechanics. Er sollte nicht durch unverständliche Details abgelenkt und überfordert werden. Im Kern geht es darum, die Lerninhalte kontinuierlich und aufeinander aufbauend zu vermitteln. Daher gilt: Verwechseln Sie niemals einen komplexen Aufbau mit einem komplizierten Aufbau! Erstes ist elementar, letzteres motiviert höchstens zur Kapitulation.

Gaming VS Gamification: Gibt es überhaupt noch einen Unterschied?

Ein gutes Beispiel dieser Art ist die Plattform des Startups Sell & Pick für die Gastronomie. Die Software unterstützt Servicekräfte durch Tracking und Visualisierung dabei, zu erkennen, worin sie gut sind, wo sie sich weiterentwickeln können, und wie weit das ganze Team bei bestimmten Zielen ist. Spielmechaniken sind perfekt dafür gemacht, ein bestimmtes Verhalten hervorzurufen: Wie gut ist jemand darin, sich selbst zu fordern, arbeitet er lieber im Team oder allein, unter welchen Umständen teilt er Informationen, unter welchen nicht? Solche Szenarien kann man mit Spielmechaniken leichter generieren als mit Aufgaben in einem Assessment Center. Zwar zweifeln immer noch einige Manager an dem Mehrwert von Gamification, da Spielen und Arbeit in den meisten Mindsets einfach nicht zusammengehören. Aber Beispiele wie Siemens‘ Plantville (im Grunde ein Aufbausimulationsspiel und Mix aus Sim City und Farmville) zeigen, wie weit die Gamification-Tools reichen können, ohne unseriös zu wirken. Denn auf den ersten Blick wirkt Plantville mit seiner knuffigen Aufmachung tatsächlich wie ein richtiges Spiel für Gamer – in Wahrheit können hier hochtechnische Prozesse in Simulationen für die Belegschaft durchgespielt werden – sprichwörtlich sogar. Am Ende konnten sogar schon neue Lösungen für das Manufacturing erzielt werden. So schaffte die Gamification sogar über das Learning der Belegschaft hinaus einen Mehrwert für das Unternehmen. Im Bereich der Personalentwicklung kann der HR-Management Cup als gutes Beispiel herangezogen werden; eine Veranstaltung, die auch Cornerstone als Sponsor unterstützte. Als Personalvorstand eines Automobilkonzerns konnten hier die Teilnehmer aus allen Disziplinen der HR-Branche in einem simulationsbasierten Wettbewerb gegeneinander antreten.

Man kann also mit gutem Recht annehmen, dass es im angeborenen Spieltrieb des Menschen liegt, dass er schön verpackte Herausforderungen eher annimmt als langweilige PDFs, die man bis zum Tag X durchgearbeitet haben muss. Und das, obwohl beides am Ende auf dasselbe hinausläuft. Gamification könnte auf diese Weise auch als Enabler für das Social Business fungieren. Daher kann man sich ruhig auf das innere Kind berufen und die Learning-Infrastruktur nach dem Prinzip der Gamification aufbauen. Vermeiden Sie es aber bloß faule Kompromisse einzugehen. Oberflächige Spiele, die nur mit netten Bildern werben und eigentlich vollkommen stupide sind, ziehen nicht nur in der Welt der Zocker schnell den Zorn der Gamer-Community auf sich, sondern können auch bei den Angestellten sogar einen gegenteiligen Effekt erzielen. Sie wollen doch nicht, dass Ihre Lerninhalte dasselbe Schicksal erleiden müssen, wie das Videospiel zum gleichnamigen Film „E.T.“ von Steven Spielberg, in den meisten Umfragen als das schlechteste Game aller Zeiten gelistet – und damit leider das absolute Gegenteil vom gepriesenen „Zelda“. Dies wurde so negativ von den Konsumenten aufgenommen, dass die Entwickler sich in den 80er Jahren dazu veranlasst sahen Millionen Exemplare heimlich in der Wüste von New Mexico zu verscharren. Was lange Zeit als moderner Mythos galt, stellte sich bei einer Ausgrabung im Jahr 2014 als überraschender Tatsachenbericht heraus. Heute werden die verstaubten Module auf Spielmessen als obskure Relikte gehandelt. Sie soll Ihre Gamification-Strategie nicht enden – lernen Sie also wieder, wie man richtig spielt.

About Geoffroy De Lestrange

Associate Director Product Marketing EMEA at Cornerstone OnDemand

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