Blockchain in der HR: Wunsch oder Wirklichkeit?
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Blockchain in der HR: Wunsch oder Wirklichkeit?

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Blockchain in der HR: Wunsch oder Wirklichkeit?

August 14, 2018 Michael Grotherr

Blockchain ist dabei unsere Art Geschäfte abzuwickeln, zu revolutionieren – auch im Personalmanagement … sagen Experten. Doch bisher ist von der neuen Technologie recht wenig zu merken. Sie kommt fast ausnahmslos im Bereich Kryptowährung oder auf dem Energiemarkt zum Einsatz. Inwieweit wird Blockchain also die HR beeinflussen?

Das dezentrale Computernetzwerk von Blockchain prüft und automatisiert den Informationsfluss. Dies macht es zu einem zuverlässigen System, das Daten speichert und gleichzeitig den Zwischenhändler bei Transaktionen ausschaltet. Die neue Technologie erhöht die Fälschungssicherheit gegenüber bestehenden Systemen. Das ist ein Grund dafür, warum Banken zurzeit daran arbeiten, in Sachen Blockchain einen Schritt voraus zu sein – und auch, warum sie die Arbeitsweise von Personalverantwortlichen komplett auf den Kopf stellen könnten. Das ist zumindest das Urteil von einigen Experten. Doch auch auf dem Finanzmarkt, wo die Blockchain ursprünglich zu Hause ist, hat es noch nicht den großen Durchbruch gegeben. Viel mehr als Nischenprodukte und Pilotprojekte gibt es derzeit nicht.

Aber inwiefern könnte Blockchain überhaupt Einfluss auf HR nehmen?

Werden klassische Lebensläufe und LinkedIn obsolet?

Es mag sich heute noch ein wenig abwegig anhören, aber die Blockchain-Technologie ist durchaus in der Lage, sowohl Lebensläufe der alten Schule als auch Websites für Karriere-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn überflüssig zu machen. Ähnlich wie auf solchen Seiten wird die Nutzung von Blockchain alle beruflichen Stationen eines Kandidaten speichern – ein klassisches Bewerbungsanschreiben wäre somit überflüssig. Es wäre kein langwieriger Verifizierungsprozess mehr erforderlich, bei dem HR-Büros Referenzen zur Bestätigung des Karrierepfads der Bewerber anfordern müssten. Sie könnten einfach auf die öffentliche Blockchain zugreifen, wo sogar Leistungsindikatoren gespeichert werden könnten, z.B. ob der Bewerber in seinem alten Job befördert wurde oder aus welchem Grund er das Unternehmen verlassen hat.

Denn was die Identitäts-Verifizierung anbelangt, haben öffentlichen Verwaltungen gegenüber Banken und Universitäten noch eine Monopolstellung. Personalabteilungen sind auf diese Dienste angewiesen, doch eine derartige Verifizierung könnte zukünftig auch über die Datenbank-Architektur der Blockchain ausgeführt werden. So könnte zum Beispiel die Echtheit von Noten und Zeugnissen gewährleistet werden, gleichzeitig würden zusätzliche Kosten und bürokratische Abläufe wegfallen.

Ist dies also ein realistisches Szenario? Ja, aber mit Abstrichen!

Als Technologie-Plattform kann Blockchain tatsächlich wichtige Informationen, von Geburtsurkunden bis hin zu Steuererklärungen speichern. Und indem sie diese Informationen auf extrem sichere Weise verifiziert, eröffnet die Blockchain auch direkte Anwendungsmöglichkeiten für das Personalwesen, insbesondere für die Personalführung und Personalbeschaffung; allesamt Bereiche, die auf die Verifizierung von Informationen angewiesen sind und so ohne Zwischenhändler auskommen könnten. Nun kommt aber die Krux mit dem Datenschutz hinzu, denn dieser ist ja immer sehr sensibel und gerade was die Nutzung personenbezogener Daten angeht, müssen Unternehmen hier sehr genau aufpassen. Und auch wenn die Speicherung dieser Daten von den Personen freiwillig wäre, ist nicht davon auszugehen, dass Blockchain in naher Zukunft Portale wie Xing ersetzen wird.

Vier Gründe, warum der Einfluss der Blockchain auf HR eher gering sein wird!

  1. Portale wie LinkedIn sind attraktiv und nutzerfreundlich – anders als bei der abstrakten Blockchain, wo es keine Oberfläche und Navigationsseite gibt sowie keine Möglichkeit sein Profil optisch aufzupeppen und zu individualisieren. Außerdem schlagen die meisten Unternehmen eher einen Kurs ein, wonach Bewerber die Regisseure ihrer eigenen Vita sind und diese nicht in fremde Hände geben sollten.
     
  2. Selbst heutzutage sind bei Weitem nicht alle Arbeitnehmer auf Xing, LinkedIn oder anderen Karriereplattformen registriert, sondern nur ein kleiner Teil digital affiner Menschen. Und aufgrund des Datenschutzes und der mangelnden Nutzerfreundlichkeit ist eher davon auszugehen, dass nur eine verschwindend kleine Minderheit ihre Daten in die Blockchain übertragen wird. Und selbst heutzutage ziehen die meisten der Bewerber immer noch eine Emailbewerbung den Profilen von LinkedIn vor.
     
  3. Kaum ein Unternehmen zweifelt die Echtheit der Bewerberdaten an und kaum eine Organisation lässt z.B. die Noten gegen Gebühr und Zeitaufwand bei einer Schulbehörde bestätigen. Zumal die Kritik an der Akademisierung der Welt und die Unzulässigkeit der Schulbetriebe ohnehin dazu führt, dass immer mehr Unternehmen von Schulnoten als Bewertungskriterium abrücken und den Fokus auf Praxiserfahrung, Softskills und Cultural Fit legen. Selbst wenn eine Behörde die Authentizität des Zeugnisses bestätigt, ist dies noch keine Freigabe, dass der Kandidat über die entsprechenden Fähigkeiten auch wirklich verfügt, da die Ausstellung von Zeugnissen, Notenvergabe und Leistungsbewertungen immer mehr einem Roulette gleichkommt. Stichwörter wie die schleichende Inflation des Abiturs, mangelnde Vergleichbarkeit zwischen Ort (Kommune bzw. Bundesland) und Zeitpunkt der Schule, sowie der Einfluss des elterlichen Einkommens hat jeder schon mal gehört und rücken immer stärker ins Interesse der Öffentlichkeit. Daher werden die Vorteile der Blockchain auf diesem Gebiet womöglich nur bei großen Konzernen Beachtung finden, die den Notendurchschnitt auf dem Abschlusszeugnis noch als Kriterium für die erste Bewerbungsphase aufnehmen. Und in anderen Berufen müssen die Kandidaten oft selbst durch beglaubigte Kopien ihrer Noten oder ein polizeiliches Führungszeugnis nachweisen, dass bei ihnen alles mit rechten Dingen zuging.
     
  4. Die breite Masse hat sich generell noch nicht mit Blockchain auseinandergesetzt oder überhaupt davon gehört. Es ist auch nicht anzunehmen, dass sich dies bald ändern wird, da die Technologie bisher nur für spezielle Nutzerkreise interessant ist. Da seit der Finanzkrise die Banken aber von der Bevölkerung sehr skeptisch betrachtet werden, kann auch davon ausgegangen werden, dass die meisten Menschen Blockchain negativ mit den Finanzgeschäften der großen Kreditinstitute assoziieren werden – was der Technologie zusätzlich den Zugang zu den Werktätigen erschweren wird.

Es bleibt also festzuhalten, dass Blockchain zwar die Technologie bietet, das Personalmanagement zu unterstützen, aber nur auf wenig Gegenliebe von Seiten der Arbeitnehmer stößt. Aber auch die deutsche HR ist häufig noch konservativ aufgestellt; auch von dieser Seite dürfte es lange dauern bis man sich mit Blockchain überhaupt beschäftigt, geschweige denn die Technologie voll ausschöpft.

About Michael Grotherr

Michael Grotherr is Vice President for Sales in Central Europe at Cornerstone OnDemand since 2017. He works from Munich and has extensive and detailed industry knowledge regarding strategic leadership, corporate development and human capital management, which he has... mehr

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