Sollten Mitarbeiter wie Kinder behandelt werden? Teil II
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Sollten Mitarbeiter wie Kinder behandelt werden? Teil II

Talent Management

Sollten Mitarbeiter wie Kinder behandelt werden? Teil II

November 28, 2016 Andreas Eppler

In unserem letzten Beitrag stellten wir bereits einmal die Frage, ob Manager ihre Mitarbeiter wie Kinder behandeln sollten. Unter der Antwort „Ja, weil…“ führten wir viele Pro-Argumentationen aus, räumten aber auch mit Klischees und konservativen Ansichten dieser Arbeitsmethode auf. Aber natürlich gibt es immer zwei Seiten einer Medaille, weswegen wir uns nun mit Unternehmen beschäftigen, die ihre Mitarbeiter eben nicht wie Kinder behandeln, sondern ganz bewusst Verantwortung übertragen. Wie arbeitet es sich also in einem Team, wenn jeder Kollege im Grunde ein Teamleader ist? Daher erneut die Frage:

Sollten Mitarbeiter wie Kinder behandelt werden?

Nein, weil…

…jede noch so kleine Art der Bevormundung jeglichen Freigeist und Tatendrang erstickt. Aber vor allem ist dieses Vorgehen nichts anderes als eine höfliche Form der Demütigung. Immerhin sind die Mitarbeiter allesamt erwachsen und organisieren zuhause ihre Familie, den Haushalt, engagieren sich in Vereinen, fällen Entscheidungen für die Zukunft – kurz: Sie übernehmen Verantwortung. Da kann es kein guter Schachzug sein, dass man sie wieder aufs Kindesalter zurückstutzt, sobald sie das Firmentor passiert haben. Da hilft es auch nichts, wenn man diese Freiheitsberaubung nachträglich durch Kuschelpädagogik oder Schnuckel-Klimbim zu kompensieren sucht. Ziel sollte es stattdessen sein, Macht und Hierarchie durch Kooperation zu ersetzen, ebenso Eigenverantwortung statt Fremdmotivation anzustreben. Diese Leistungsmotoren verhindern auch ein Abdriften der Arbeitsdisziplin. Die Zeiten von Fließbandarbeit, bei der der Mensch auf seine reine Funktion reduziert wurde, sind endgültig vorbei. Wer seine Mitarbeiter nicht auch wie seine Kunden behandelt, wird sich als Arbeitgeber in die lange Schlange der anderen Unternehmer einreihen dürfen, die darüber klagen, dass es keine hochqualifizierten Fachkräfte gibt – die Wahrheit sieht aber so aus, dass es sie in der Tat gibt, bloß wollen sie nicht bei einer Firma anheuern, die viele Skills verlangt, die Profis dann aber wie kleine Rotznasen gängelt.

Unternehmen wie beispielsweise ThoughtWorks, eine führende IT-Unternehmensberatung, behaupten diese Arbeitsmethoden nicht nur, sondern leben sie auch richtig aus. Der menschliche Faktor spielt hier eine sehr große Rolle zum Erreichen der Unternehmensziele. Unter Slogans wie Surfleadership und Coworking fallen gängige Hierarchien, wie sie in den meisten Unternehmen vorherrschen, weg. Stattdessen helfen die Kollegen sich untereinander ihre Ziele zu erreichen und arbeiten an selbstständigen Projekten – und das mit Erfolg. Eine Art Limbo der Arbeitsdisziplin oder gar Anzeichen der Verwahrlosung sind nicht zu erkennen. Denn eine offene Kommunikation ist der Schlüssel, um aus dem Team eine Einheit zu schweißen. Für diese Vorgehensweise sprechen aber nicht nur, schwammige Erklärungen aus der Soziologie, sondern auch höchst ökonomische Gründe, die kein Manager außer Acht lassen sollte. Denn einen Mitarbeiter in ein enges Korsett zu stecken und ohne viel Eigenverantwortung, lässt ihn am Ende zu einer fleischgewordenen Maschine mutieren. Das ist aber nichts Anderes als Ressourcenverschwendung, denn damit arbeitet der Mitarbeiter weit unter seinen Möglichkeiten und kommt dem Personalmanagement teuer zu stehen – sprichwörtlich…oder wollen Sie für viel Geld einen Multifunktionsdrucker kaufen, der dann aber nur zum Faxen genutzt wird?

Das Motto darf demnach nicht lauten „Gib her, wir regeln das für Dich und sagen Dir nur, was Du bis dahin zu tun hast!“, sondern sollte vielmehr so klingen: „Hier nimm. Du kannst es und schaffst das, wir helfen Dir dabei!“ Das nimmt flexibilisiert auch zugleich das Personalmanagement, weil es in vielen Bereichen automatisiert läuft.

Nein, Mitarbeiter sollten daher nicht wie Kinder aus einem überstrengen Elternhaushalt behandelt werden, wo die 18jährige Tochter bereits um acht Uhr abends wieder zuhause sein muss und der Vater dem Sohn vorschreibt, welche Lehre er zu absolvieren hat, damit er gefälligst irgendwann ungefragt in die Fußstapfen seines alten Herrn treten kann. Sie sollen stattdessen selbstständig zu selbstbewussten Individuen heranreifen.

Eltern müssen auch ihren Kindern zuhören

Wenn man nun meint, dass diese Balance die gesamte Fragestellung im Grunde neutralisiert, sollte man sich einfach fragen, welches Konzept zu seinem Team passt. Ist man eher der Typ für einen Kreisverkehr, wo die Fahrer selbst das Tempo vorgeben oder will man lieber eine Kreuzung, die von Ampeln orchestriert wird? Noch besser ist es, individuell auf jeden seiner Mitarbeiter einzugehen. Das braucht in der Tat Kraft und Zeit, aber schließlich muss ein guter Teamleader auch zuhören können. Und gerade in der heutigen Zeit zerbrechen wir uns den Kopf, wie wir jedes Kind individuell fördern können. Warum also dann nicht auch die Mitarbeiter auf dieselbe Weise fördern?

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