Bürohasser-Bücher: Literatur über und für die Arbeitswelt
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Bürohasser-Bücher: Literatur über und für die Arbeitswelt

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Bürohasser-Bücher: Literatur über und für die Arbeitswelt

November 20, 2018 Alicia Roy

Vor kurzem hat die Frankfurter Buchmesse ihre Tore geschlossen und musste dieses Jahr eine wegweisende Funktion übernehmen. Nicht nur stagniert der Verkauf von klassischen Druckwerken, auch der Skandal an der Schwedischen Akademie und der daraus resultierenden Nichtvergabe des Literaturnobelpreises (erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg) macht im digitalen Zeitalter das gute, alte Buch zu einem Politikum. Da ist es interessant mal zu schauen, wie die Gegenwartsliteratur die Arbeitswelt und den werkschaffenden Menschen darstellt.

Walter Jens, Historiker und Schriftsteller, schrieb bereits in den 60er Jahren, dass der Mensch in der deutschen Gegenwartsliteratur im Zustand eines ewigen Feiertages gezeigt würde. Auch bis heute wird die Darstellung der Arbeitswelt von den Autoren recht stiefmütterlich behandelt. Dies kann natürlich verschiedene Ursachen haben.

Natürlich entziehen sich die Produktionsvorgänge in Kombination mit der digitalen Abstraktion der literarischen Erfassung und somit der Wahrnehmung der Leser. Andererseits hat in den letzten 20 Jahren eine zunehmende Konfektionierung der Unterhaltungsliteratur stattgefunden, was sich in einer Fülle von kitschigen Klonen a la „Game of Thrones“ oder „Harry Potter“ niederschlug, sowie eine Flut von Krimis, die sich kaum noch voneinander unterscheiden. Ritter und Zauberer treffen auf Kriminalkommissare und Rechtsmediziner. Für Busfahrer und Bäcker ist da nicht viel Platz. Besonders die Law & Order-Berufe stehen in der Literatur hoch im Kurs – fast ebenso häufig sind Journalisten vertreten, aber nur, wenn sie investigativ ermitteln und dabei auf die Abschussliste einer kriminellen Verschwörung geraten.

Dabei üben die Protagonisten in vielen Weltklassikern und literarischen Perlen häufig Bürojobs aus, die man eigentlich gar nicht mit dem großen Abenteuer assoziiert. Die Figuren bei Franz Kafka waren beispielsweise fast ausnahmslos Vertreter, Prokuristen oder sogar Landvermesser. Natürlich will man im Bereich der Belletristik gut unterhalten werden und sehen, wie ein Journalist eine düstere Verschwörung aufdeckt oder wie ein Detektiv es mit einem psychopathischen Serienmörder aufnimmt. Aber auch in der Sachliteratur sieht es für Personalmanager nicht sehr rosig aus. Wenn man sich erst jüngst auf der Frankfurter Buchmesse umgeschaut hat, erhielt man den Eindruck, dass die Berufswelt, die ja doch einen Großteil unseres Lebens einnimmt, als nahezu einhellig grau, trist und nebensächlich beschrieben wird. Ratgeber über die Psychologie im Job und Bücher über cholerische Chefs und nervige Kollegen finden Sie in jedem Buchhandel. Dabei kommt das Büro nie gut weg, aber warum sind all diese Lektüren nur so schlecht gelaunt?

Willkommen in der Bürohölle?

Selbst in Bahnhofsbuchhandlungen sind sie zu finden: Bücher über die Berufswelt mit solch klangvollen Titeln wie „Ich arbeite in einem Irrenhaus“, „Die schlimmsten Chefs der Welt“ oder „Arbeit? Nein, danke!“ Aber selbst seriöse Ratgeber setzen sich fast ausschließlich mit Themen wie Mobbing oder sexueller Belästigung am Arbeitsplatz auseinander. Freilich sind dies wichtige Sachverhalte, die nicht verschwiegen werden sollen. Strebt man jedoch anhand des Bestandes der Bibliotheken nach einer Ableitung, könnte man daraus zu der Schlussfolgerung kommen, dass das Büro ein einziger Moloch sei, der nur dafür da ist, die Menschheit zu quälen. Genauso könnte man durch das Lesen von Krimis aber auch davon ausgehen, dass sich die Polizeiarbeit genauso bleihaltig und atemlos in der Realität abspielt wie in jedem Groschenroman. Anders als in der Wirklichkeit müssen die Kommissare und Ermittler sich in den fiktiven Geschichten aber nie mit dem Abfassen von langen Berichten oder der drögen Nachtschicht auf dem Revier herumschlagen.

Arbeit-ist-schlecht-Literatur ist schon fast ein eigenes Genre. Dabei ist die pessimistische Grundeinstellung der Bücher gar nicht das Problem, denn wer Schwachstellen und Herausforderungen nicht aufzeigt, kann auch keine Lösungen und Chancen erarbeiten. Doch genau an dieser Stelle hapert es bei den sogenannten Ratgebern, denn sie listen lediglich alles Negative auf und bieten kaum Lösungen. Häufig wollte sich ein Ex-Mitarbeiter mit solch einem Buch wohl einfach nur den angestauten Frust von der Seele schreiben. Da könnte man auch die schlechten Bewertungen auf Kununu oder Glassdoor als Ratgeber bezeichnen. Die Ursache für den Unfrieden im Betrieb ist in vielen Büchern schnell ausgemacht: die Unternehmensführung bzw. die Vorgesetzten! Dieses Klischee hat sich mittlerweile derart fest in unseren Köpfen verankert, dass man sich über den Erfolg von Serien wie „The Office“ oder „Stromberg“ nicht zu wundern braucht – wobei diese ja noch eine satirische Note aufweisen. Hier scheint das Rollenbild aus den Ratgebern längst in die Unterhaltungsliteratur übergegangen zu sein. Jeder kennt es: Der herrische Polizeipräsident, der mit den Methoden des erfolgreichen Ermittlerduos nicht klarkommt und mit einer Versetzung droht oder der stockfischige Chefredakteur, der dem heldenhaften Reporter verbietet weiter zu ermitteln. Am Ende setzen sich die Protagonisten natürlich über ihre inkompetenten Vorgesetzten hinweg und lösen den Fall auf eigene Faust und alle sind glücklich.

Schaut man sich in der Studienlandschaft um, scheinen sich die negativen Botschaften zu bestätigen. Immer wieder liest man in Studien wie dem Gallup Report, dass die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer innerlich gekündigt hätte. Dem stehen aber wiederum Umfragen vom persönlichen Glück der Deutschen gegenüber, die zu einem gänzlich anderen Ergebnis kommen. Mit Erhebungen ist es natürlich immer so eine Sache, aber vielleicht klaffen Wunsch und Wirklichkeit hier auch gar nicht so weit auseinander. Womöglich interpretieren wir nur falsch. Eigentlich müsste mal ermittelt werden, ob die Flut an arbeitsskeptischer Literatur wirklich das Resultat von negativen Erfahrungen geschuldet ist oder erst die pessimistische Auseinandersetzung mit dem Thema den Arbeitnehmern ein düsteres Betriebsklima suggeriert. Schließlich weiß jeder über die Macht der Medien; wenn ein Individuum wie in einer Echokammer immer wieder dieselbe Botschaft zu hören kriegt, dann glaubt man die Message auch ab einem gewissen Zeitpunkt. Genauso häufig kriegen wir auch immer wieder zu hören, dass wir nur auf das Schlechte schauen: Das Gras auf Nachbars Rasen ist immer grüner, das Essen auf dem anderen Restauranttisch sieht viel delikater aus – es macht uns doch irgendwo Spaß über unsere Umwelt zu lästern und unsere eigene Situation schlecht zu reden. Vielleicht kommen wir erst dadurch mit unserer Umwelt klar. Dementsprechend fallen Bücher über die Arbeitswelt auf fruchtbarem Boden, wenn die Lektüre in Third-Person-Perspektive über die anderen Kollegen herzieht. Man erkennt sich teilweise wieder und natürlich glaubt der Leser, dass auch er einzig normale Mensch in einem Stall voller Idioten sei.

Zeit daher für ein bisschen Optimismus, hier fünf Bücher die Sie besser über den Büroalltag schmunzeln lassen oder vor Spannung fesseln, ohne aus dem Abteilungsleiter gleich Brennholz machen zu wollen:

  • „Die Firma“ von John Grisham, weil sich der Arbeitgeber hier in der Tat zu einem kaltblütigen Verfolger herausstellt
  • „Der Teufel trägt Prada“, weil jeder schon mal eine Vorgesetzte hatte, die einen an Cruella de Ville erinnert.
  • „Raus!“ von Rüdiger Striemer, weil es die Arbeitswelt auch mal aus der Sicht des Chefs zeigt – mit all ihren Schattenseiten, die auf einen Entscheider zukommen.
  • „Das Kapital“ von Karl Marx, weil doch irgendwie jeder von uns in der Tretmühle der Bourgeoisie malocht.
  • „Das Zimmer“ von Jonas Karlsson, weil es einen morbiden, surrealen Trip durch die Arbeitswelt bietet, der kafkaeske Auswüchse mit einer spannenden Story verknüpft.
About Alicia Roy

With a background in recruitment, Alicia is currently part of the marketing team and helps creating new content as well as building the online brand as a community manager.

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