Welche Auswirkungen hat der Brexit auf Deutschlands HR?
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Welche Auswirkungen hat der Brexit auf Deutschlands HR?

Future of Work

Welche Auswirkungen hat der Brexit auf Deutschlands HR?

June 05, 2017 Sascha Grosskopf

Deutsche Firmen erwirtschaften im Schnitt rund zehn Prozent ihrer Umsätze im Vereinigten Königreich. Im Falle eines harten Brexit stünden die betroffenen Unternehmen vor großen Herausforderungen. Wie kann die HR auf diese politische Krise reagieren?

Die berühmte Autorin der Harry Potter-Romane, J.K. Rowling, sagte über Ex-Premier David Cameron, dass er mit dem Brexit gleich zwei Unionen zerstört habe: Die Europäische Union und die britische Union. Ihr Seitenhieb war eine Anspielung auf die chaotischen Zustände auf der Insel, die in ihren eigenen Landesgrenzen vor ähnlichen Herausforderungen steht, wie die EU. Durch die mögliche Unabhängigkeit Schottlands könnte nämlich auch der United Kingdom auseinanderbrechen – aus Great Britain sprichwörtlich Little Britain werden.

Verhandlungen mit Brüssel, Edinburgh und Belfast lassen einen Schluss sicher zu: Viele weitreichende Veränderungen stehen bevor. So müssen sich auch die Unternehmen auf die neuen Bedingungen einstellen, wenn der UK sich von der EU abnabelt. Gerade das exportstarke Deutschland mit seinem breit aufgestellten Mittelstand wird von den Einschränkungen eines gemeinsamen Marktes mit den Briten am stärksten auf dem Kontinent betroffen sein. Nach einer Studie von Deloitte werden etwa 400.000 Mitarbeiter auf der Insel von deutschen Unternehmen bezahlt und stehen dementsprechend vor unsicheren Zeiten.

Es wird komplizierter…und bürokratischer!

Die Veränderungen und neuen Arbeitsbedingungen sind heute noch nicht abzuschätzen, gleichwohl haben die britischen HR-Abteilungen noch keine Vorkehrungen getroffen, um sich auf den großen Bruch einzustellen. Laut Deloitte hat bisher nur eine von zehn Firmen erste Maßnahmen für die Zeit nach der EU getroffen. Sollte mit dem Ausscheiden des UK aus dem Staatenverbund auch die freie Wahl des Arbeits- und Wohnortes wegfallen, so stehen deutschen Unternehmen zwei Möglichkeiten offen:

Der Großteil der Mitarbeiter auf der Insel muss in Zukunft auch nahezu ausschließlich aus Briten rekrutiert werden,

Standortniederlassungen werden zentralisiert oder ganz geschlossen.

Denn ohne britische Staatsbürgerschaft ist es für Kontinentaleuropäer wesentlich komplizierter (und damit deutlich teurer und unattraktiver für Unternehmen) in England, Schottland und Wales einer geregelten Arbeit nachzugehen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass London aufgrund der Flüchtlingskrise die Zuwanderungs- und Aufenthaltsbestimmungen nochmal nachträglich verschärft hat. Dasselbe Problem betrifft Unternehmen, die britische Staatsbürger in Deutschland beschäftigen. Bei Firmen, die über kein einheitliches Headcount-Planning verfügen, könnte es durchaus schwierig werden, die Nationalität und den Aufenthaltsort aller Mitarbeiter zu bestimmen.

Auch das Thema Auslandsentsendungen wird für die Personalabteilungen komplizierter, da der UK in Zukunft wie ein Drittstaat und damit ähnlich wie China oder die USA behandelt werden könnte. Das bedeutet, dass Personalmanager sich zuweilen in ein komplett neues Recht einarbeiten müssten, weil die gängigen EU-Normen wegfallen.

Brexit bietet auch Chancen

Aber nicht nur arbeitstechnisch, sondern auch privat könnte es auf der Insel für ausländische Arbeitnehmer ungemütlich werden. Bisher konnte man relativ unbürokratisch und in der Regel auch kostenlos die Leistungen des NHS (Nation Health Service) in Anspruch nehmen. Vielen Nicht-Briten könnte der Zugang zum örtlichen Gesundheitssystem in Zukunft jedoch verweigert oder zumindest deutlich erschwert werden. Um die Gesundheitsversorgung der Arbeitnehmer sicherzustellen, könnten teure Auslandskrankenversicherungen anstehen.

Allerdings werden nicht alle Verbindungen zum Königreich gekappt – selbst bei einem harten Brexit. Schließlich ist die EU noch relativ jung und Großbritannien trat dem Bund erst 1973 bei. Daher könnte auf alte Verträge zurückgegriffen werden, die die Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg mit London geschlossen hatte. Ein Beispiel stellt das Deutsch-Britische Sozialversicherungsabkommen von 1960 dar, welches auch für deutsche Arbeitnehmer auf der Insel seine Anwendung finden wird. Durch den Brexit besteht zudem die Möglichkeit, dass Deutschland und Großbritannien nun andere Arbeits- und Handelsbedingungen unabhängig von anderen Staaten aushandeln könnten. Je nachdem, was für Abkommen geschlossen werden, könnten sowohl Deutschland als auch Großbritannien bessere Konditionen aushandeln als noch unter der Federführung der EU.

Spannend wird es dann aber auch, falls Schottland sich vom Königreich lossagen sollte und einen Antrag auf die Aufnahme in die EU stellen würde. Dies könnte dann wiederum dazu führen, dass viele englische Unternehmen ihre Niederlassungen nach Schottland verlegen. Edinburgh ist nach London bereits jetzt der größte Finanzplatz auf der Insel. Mit Schottland hätte man so gleichzeitig einen potentiellen EU-Partner vor den Toren Rest-Britanniens mit nahem Zugang zum englischen Markt, dessen Grenze sicher zollfrei sein wird – ähnlich wie dies bereits in Verhandlungen zwischen dem britischen Nordirland und der Republik Irland von statten gehen soll. Keiner will seine Insel halt in zwei wirtschaftliche Hälften spalten.

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